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9.9.2010 : 21:20

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Durst macht Schmerzen schlimmer

Wer sich mit dem Hammer auf den Daumen geklopft hat, sollte als erstes einen Schluck Wasser zu sich nehmen – das könnte den Schmerz lindern. Denn wer durstig ist, empfindet Schmerzen stärker, wie eine Studie zeigt.

Durst macht Schmerzen schlimmer Verantwortlich für die schmerzhaften Konsequenzen eines trockenen Mundes ist eine Prioritätenliste im Gehirn: Treten zwei potentiell gefährliche Erfahrungen gleichzeitig auf, entscheiden zwei Kontrollareale im Hirn blitzschnell, welche davon die schlimmeren Konsequenzen hat. Anschließend modifizieren diese Kontrolleure andere Hirnregionen so, dass das entsprechende Gefühl verstärkt wahrgenommen wird und der Betroffene sich auf jeden Fall zuerst darum kümmert, berichtet ein Team um Michael Farrel von der Universität of Melbourne in der Fachzeitschrift “Proceedings of the National Academy of Sciences”.

Empfindungen wie Hunger, Durst, Schmerz und extreme Temperaturen sind sehr wichtig für das Gehirn, da sie eine Gefahr für Leib und Leben signalisieren. Aus diesem Grund sorgt die Schaltzentrale normalerweise so schnell wie möglich dafür, dass die Ursache des bedrohlichen Gefühls beseitigt wird. Treten jedoch zwei oder mehrere solcher Empfindungen gleichzeitig auf, entsteht ein Konflikt, denn im Allgemeinen können nicht beide Auslöser mit einer einzigen Aktion abgestellt werden. Das Gehirn muss sich also entscheiden, welches Gefühl auf die größere Gefahr hinweist.

Um zu untersuchen, wie eine solche Entscheidung genau getroffen wird, untersuchten die Wissenschaftler die Gehirnaktivitäten ihrer Probanden während eines solchen Konflikts: Sie injizierten den Teilnehmern eine Salzlösung, um sie durstig zu machen, und übten Druck auf ihre Daumen aus, um Schmerz zu erzeugen. Bei diesen beiden Reizen sind die Prioritäten für das Gehirn relativ klar verteilt: Durst ist zwar auf Dauer schädlich für den Körper, stellt aber keine akute Gefahr dar. Schmerz dagegen signalisiert, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist und sofort beseitigt werden muss, damit keine Verletzung entsteht. Der Schmerz sollte also beim gleichzeitigen Auftreten beider Empfindungen vom Gehirn in den Vordergrund gestellt, das Durstgefühl eher in den Hintergrund geschoben werden.

Tatsächlich aber nahm das Schmerzempfinden bei den durstigen Probanden deutlich zu, während ein Schmerzreiz umgekehrt keinen Einfluss auf das Durstempfinden hatte. Jeder Reiz erzeugte, wenn er alleine auftrat, ein typisches Muster an aktivierten Hirnrealen, die sich zum Teil überlappten und zum Teil unterschieden. Beim gleichzeitigen Auftreten beider Empfindungen wurden jedoch zusätzlich zwei Areale aktiv, die bei den isolierten Reizen keine Rolle spielten. Diese beiden Hirnregionen sind nach Meinung der Forscher an der Betonung oder Dämpfung eines Reizes beteiligt.

Quelle:
Farrell, M. J. et al.: Unique, common, and interacting cortical correlates of thirst and pain, Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) 103 (7): 2416-2421, 2006