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29.6.2017 : 4:04

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Kopfschmerzen bei Jugendlichen: Zu selten zum Arzt, zu häufig unkontrollierter Medikamentenkonsum

Jedes zweite Mädchen und ein Viertel der Jungen zwischen 12 und 15 Jahren gaben bei einer repräsentativen Studie in Vorpommern an, unter wiederholten Kopfschmerzen zu leiden. Die Lebensqualität der Betroffenen ist beeinträchtigt. Sorgen bereitet den Experten, dass nur jeder vierte Jugendliche mit wiederkehrenden Kopfschmerzen einen Arzt konsultiert, aber 60 Prozent ihre Schmerzen mit Medikamenten selbst behandeln oder von den Eltern Medikamente bekommen. Das sind wichtige Ergebnisse der ersten großen epidemiologischen Kopfschmerz-Studie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).

Die Lebensqualität ist beeinträchtigt

Kopfschmerzen machen den Jugendlichen, insbesondere, wenn sie unter wiederholten Kopfschmerzen leiden, in allen Bereichen deutlich zu schaffen. Körper, Psyche und Selbstwertgefühl sind bei jenen Jugendlichen signifikant beeinträchtigt, die unter Kopfweh leiden. Auch in der Familie und in der Schule machen die Schmerzen Probleme.

"Was uns vor allem zu denken gibt", so Konstanze Fendrich von der Universität Greifswald, "ist der unkontrollierte Gebrauch von Medikamenten." Nur etwa jeder vierte Jugendliche konsultiert wegen wiederholter Kopfschmerzen einen Arzt, nur 3 Prozent suchen einen Neurologen oder Kopfschmerzexperten auf. Über die Hälfte der Jungen und mehr als 60 Prozent der Mädchen nehmen aber Medikamente. Auf die Frage, welche Medikamente sie nehmen, nannten die Jugendlichen die frei verkäuflichen Substanzen Paracetamol, Acetylsalicylsäure und Ibuprofen. Aber auch das verschreibungspflichtige Metamizol wird eingesetzt.

Fendrich: "Wichtig wäre hingegen, rechtzeitig Strategien zu entwickeln, um eine Chronifizierung der Schmerzen zu verhindern." Denn Befragungen von Schmerzpatienten zeigen, dass 60 bis 70 Prozent der chronischen Kopfschmerzpatienten bereits im Kindes- oder Jugendalter unter Kopfschmerzen litten, diese jedoch nicht ernst nahmen.

Lifestyle steigt zu Kopfe: Musik, Gameboy, Alkohol

Um rechtzeitig Strategien gegen den Kopfschmerz entwickeln zu können, fragten die Forscher die Jugendlichen nach weiteren Lebensumständen, die mit der Entstehung von Kopfschmerzen in Zusammenhang stehen könnten. Das Fazit: Am deutlichsten erhöht sind Kopfschmerzen bei Jugendlichen, die wiederholt an Rückenschmerzen leiden. Aber auch der angestrebte Schulabschluss spielt eine Rolle: So haben Realschüler etwas häufiger Kopfschmerzen als Hauptschüler und bei Gymnasiasten ist das Risiko für Kopfschmerz am höchsten. Aber auch der Medienkonsum spielt eine Rolle. Als Risikofaktoren erwiesen sich die Favoriten des jugendlichen Lebensstils:
- Mehr als eine Stunde Musikkonsum pro Tag
- Mehr als eine Stunde Gameboy- und Computerspiel pro Tag
- mehr als zwei Gläser hochprozentiger Alkoholkonsum pro Woche
"Wir können diese Risiken jetzt erstmals genau angeben, Jugendliche, für die diese Tätigkeiten zutrafen, litten signifikant häufiger an Kopfschmerzen", erklärt Fendrich.

Keinen Einfluss auf das Kopfschmerzrisiko scheinen hingegen die verbrachte Zeit vor Fernsehapparat und Computer sowie sportliche Aktivitäten in der Freizeit zu haben.