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Sie aßen mit den Fingern, heizten mit offenem Feuer und kannten auch kein Metall: Die Bauern der Jungsteinzeit besaßen als Handwerkzeug nur Steinbeil, Feuersteinklinge und Knochenmeißel. "Doch die damaligen Menschen sind uns näher, als wir es uns vorstellen können", sagt Archäologe Rüdiger Kelm. Er betreut in Albersdorf (Kreis Dithmarschen) den Nachbau eines norddeutschen Steinzeitdorfs. Obwohl es über das Leben vor 5000 Jahren keine Augenzeugenberichte gibt, ist das heutige Wissen über den Alltag der sogenannten Bauernsteinzeit (Neolithikum) keine Fantasterei, sondern Ergebnis ernsthafter Forschung, erklärt der Wissenschaftler.
Ernährten sich die Jäger der Alt- und Mittelsteinzeit zu 90 Prozent vom Fleisch, lebten die Menschen der Jungsteinzeit "bäuerlich" und löffelten schon morgens einen Brei: Meist aus Gerste, nur selten aus Weizen, und ab der Bronzezeit auch aus Hafer, das Ganze angereichert mit Erbsen, Bohnen oder Fleisch. Besonders für ältere Steinzeitmenschen waren die Mahlzeiten nicht unbedingt eine richtige Freude, meint Kelm. Da die Menschen mit dem gemahlenen Getreide gleichzeitig das abgeriebene Gesteinsmehl aus den "Mörsern" kauten, wurden die Zähne so stark abgerieben, bis nur noch kurze Stümpfe übrig waren. "Da war ein Brei sicher ein Vorteil, denn der geht einfacher zu essen." Trotzdem müssen die Menschen damals ständig Schmerzen gehabt haben. "Zahn- und Kopfschmerzen, wie wir es uns gar nicht vorstellen können." Wie gingen sie damit um? "Es gibt Hinweise, dass sie Kaugummis aus Birkenpech kauten: Die haben eine betäubende Wirkung." Außerdem bauten die Menschen schon in der Steinzeit Mohn an. "Daraus kann man Schmerzmittel herstellen."
Quelle: dpa vom 7.8.2008

