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Die so genannte Empathie hilft nachzuvollziehen, wie sich ein anderer fühlt und bildet so die Basis für das Knüpfen persönlicher Beziehungen. Doch offenbar gibt es neben dieser komplexen, emotionalen Seite der Empathie auch noch einen einfacheren, körperlichen Anteil, schreiben Avenanti und seine Kollegen. Die Wissenschaftler hatten ihren Probanden Filmausschnitte gezeigt, in denen das Modell einer menschlichen Hand entweder mit einer Nadel gestochen oder mit einem Wattestäbchen berührt worden war. Zum Vergleich sahen die Teilnehmer eine Aufnahme, in der eine Nadel in eine Tomate gesteckt wurde.
Gleichzeitig stimulierten die Forscher das Bewegungszentrum im Gehirn der Probanden mit der so genannten transkranialen Magnetstimulation, bei der die Hirnaktivität von außen mithilfe von Magnetfeldern beeinflusst werden kann. Das Ergebnis: Beim Betrachten des Videos, in dem der vermeintlichen Hand Schmerzen zugefügt wurden, reagierten die Handmuskeln der Probanden deutlich weniger auf die Stimulation als beim Anschauen der anderen Filme. Anschließend befragten die Wissenschaftler die Probanden über ihre Empfindungen während des Films. Im Gegensatz zu früheren Studien, in denen die messbaren Folgen der Empathie von der Stärke des Mitleids abhingen, fanden die Forscher bei ihren Probanden keinen solchen Zusammenhang. Lediglich die Intensität des beobachteten Schmerzes hatte einen Einfluss auf die Größe des Effekts.
Offenbar extrahiert das Gehirn während der Beobachtung die sensorischen Aspekte des Schmerzes und projiziert sie auf das eigene motorische System, schreiben die Forscher. Dieser Mechanismus hilft ihrer Ansicht nach dabei, angemessene Reaktionen in gefährlichen Situationen zu erlernen. Das Gehirn kann sich so auf Flucht- oder Erstarrungsverhalten einstellen, auch wenn die persönliche Erfahrung fehlt.
Quelle:
Alessio Avenanti et al.: Transcranial magnetic stimulation highlights the sensorimotor side of empathy for pain, Nature Neuroscience, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/nn1481, 5. Juni 2005


