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Eine Störung der körpereigenen Schmerzkontrolle?
Als "Nachtwanderer" bezeichnen sich Patienten mit Restless-Legs-Syndrom (RLS) mitunter. Die Erkrankung ist mit unangenehmen Empfindungen verbunden, die sich nur durch Bewegung lindern lassen. Besonders stark empfinden Patienten diese Beschwerden in Ruhephasen und in der Nacht. Die Entstehung der Erkrankung, von der geschätzte drei bis neun Prozent der Bevölkerung in Industrieländern betroffen sind, ist bislang ungeklärt. Studien der Universitäten Mainz und Marburg erbrachten jetzt neue Erkenntnisse: Die Patienten sind empfindlicher für bestimmte Schmerzreize, haben eine geringere Berührungsempfindlichkeit in Händen und Füßen und häufig ein "paradoxes" Temperaturempfinden in den Beinen; kalt wird als heiß empfunden.
Eine der häufigsten neurologischen Störungen
RLS ist eine der häufigsten neurologischen Störungen in der Bevölkerung der westlichen Welt; die Häufigkeit steigt mit dem Lebensalter. "RLS wird aber oft nicht als neurologische Störung erkannt und ist daher gravierend unterdiagnostiziert", so Dr. Magerl. Die Entstehung von RLS ist weitgehend ungeklärt. Die Erkrankung tritt jedoch bei Patienten, bei denen Familienangehörige betroffen sind, bereits ein Jahrzehnt früher auf als bei anderen Patienten. Frauen sind weitaus häufiger betroffen als Männer.
Gesteigertes Schmerzempfinden nicht nur in den Beinen
"Seit wenigen Jahren wissen wir, dass das RLS-Syndrom mit schwerwiegenden Störungen der Somatosensorik, dass heisst der körperlichen Wahrnehmung einhergeht, insbesondere der Schmerzverarbeitung", erklärt PD Dr. Walter Magerl, Mainz. Die Forscher konnten nun zeigen, dass Patienten mit RLS eine dramatisch gesteigerte Schmerzempfindlichkeit aufweisen. Sie sind weitaus schmerzempfindlicher gegen Nadelstich-ähnliche Reize als Gesunde. Das eindrucksvolle Symptom des Schmerzes durch leichte Berührung, z. B. durch Überstreichen der Haut mit einem Wattebausch, das bei anderen Nervenschmerzen wie der Gürtelrose häufig auftritt, zeigen Patienten mit RLS jedoch nicht. Im Gegensatz zur Störung der Motorik, die auf die Beine beschränkt ist, findet sich die gesteigerte Schmerzempfindlichkeit sowohl in den Armen als auch in den Beinen.
Die gestörte Schmerzempfindlichkeit, verringerte taktile Sensitivität und paradoxe Hitzeempfindung werden durch länger dauernde Behandlung mit Substanzen, die an zentralen Dopaminrezeptoren angreifen, weitgehend zurückgebildet.
Quelle: Informationsdienst der Wissenschaft vom 13.10.2006

