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12.12.2017 : 11:32

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sra schmerz report aktuell, Jg. 3, 3 - 2004

Schöne Urlaubserinnerungen können Schmerzen lindern

(sra) Für Schmerzpatienten ist ein Tapetenwechsel besonders wichtig. Die Distanz zum Alltag, die Schönheit der Natur und der Kontakt mit anderen wirken sich positiv auf ihre Psyche, das körperliche Wohlbefinden und die Schmerzwahrnehmung aus. Aber auch die Erinnerung an eine gelungene Urlaubsreise verringert die Schmerzempfindung, fanden die englischen Wissenschaftlerinnen Kirsty Jeffels und Nadine Foster heraus. Die Experten analysierten 1.125 Studien und kamen zu dem Ergebnis, dass sich die Schmerztoleranz bei Betroffenen erhöht, wenn sie sich während eines Schmerzreizes angenehme Situationen wie Urlaubsreisen vorstellten. Schmerzen werden dagegen stärker empfunden, wenn Patienten ihren Schmerz genau beschreiben sollen und damit die volle Konzentration auf die Beschwerden lenken.

Neben der Vorstellungskraft kommt aber den Therapeuten entscheidender Einfluss bei der Schmerzbekämpfung zu. Denn ihr Einfühlungsvermögen und ihre Wortwahl können die Schmerzwahrnehmung erheblich beeinflussen. So hielten Studienteilnehmer, die auf einen kommenden Schmerzreiz positiv vorbereitet waren, diesen länger und besser aus als Patienten, denen geschildert wurde, wie schlimm der Schmerz ist.

Schöne Urlaubserinnerungen können Schmerzen lindern „Die Ergebnisse dieser Analyse bestätigen die Forderung nach einer 3-Säulen-Therapie in der Schmerzbehandlung“, kommentiert Dr. Dietmar Krause vom Forum Schmerz in Marburg. Neben der medikamentösen und nichtmedikamentösen Therapie gehören demnach auch psychologische Verfahren zur umfassenden Behandlung von Schmerzpatienten. „Außerdem müssen sich die Therapeuten über günstige und ungünstige Wirkungen ihrer Kommunikation mit dem Patienten bewusst sein“, betont Krause weiter. Ziel des Forum Schmerz ist deshalb die Verbesserung der Arzt-Patienten-Kommunikation. Weitere Infos zu dieser Initiative gibt es im Internet unter www.forum-schmerz.de.

Quelle:
Jeffels, K. und Foster, N.: Can aspects of physiotherapist communication influence patients pain experiences? A systematic review. Physical Therapy Review 8 (4): 197-210, 2003.


Keine Wirkung ohne Nebenwirkung
Tipps zum Umgang mit Opioiden

(sra) Pflaster, die das hochwirksame Opioid Fentanyl enthalten, gehören inzwischen zur Standardtherapie bei chronischen Schmerzen. Wie der Patient die Therapie verträgt und akzeptiert, hängt allerdings wesentlich davon ab, ob Nebenwirkungen mitbehandelt werden.

Übelkeit, Verstopfung und Schwindel sind die häufigsten Nebenwirkungen von Opioiden. Vor allem Patienten, die zum ersten Mal diese Wirkstoffe verordnet bekommen, reagieren manchmal empfindlich: Der Körper braucht eine Einstellungsphase. Diese Begleiterscheinungen sind normal und nicht gefährlich, sie treten auch nicht in jedem Fall auf. Viele Patienten reagieren jedoch verunsichert und ängstlich, wenn sie vom behandelnden Arzt vor Beginn der Therapie nicht ausreichend informiert wurden.

Die Übelkeit entsteht, weil Opioide das Brechzentrum im Gehirn reizen, und nicht weil der Magen belastet wird, wie viele Patienten befürchten. Werden die Wirkstoffe Metoclopramid oder Domperidon begleitend verordnet und rechtzeitig eingenommen, kommt es erst gar nicht zum Brechreiz. In vielen Fällen verschwindet die Übelkeit nach einer Einstellungsphase von zwei bis drei Wochen.

Grund für die Verstopfung ist die Wirkung von Opioiden auf die Darm-Muskulatur, deren Aktivität herabgesetzt wird. Zahlreiche Studien haben allerdings erwiesen, dass das Fentanyl-Pflaster hier Vorteile bietet: Der Wirkstoff wird nicht, wie bei der Tabletten-Einnahme über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen. Der Einfluss auf die Darm-Muskulatur ist deshalb geringer. Ist die Verstopfung trotzdem hartnäckig, muss ein Abführmittel verordnet werden.

Schwindel und Benommenheit treten auf, weil Opioide im zentralen Nervensystem wirken. Auch diese Begleiterscheinung verschwindet häufig bereits nach ein bis zwei Tagen. Sollte dies nicht passieren oder verschlimmert sich das Schwindelgefühl, wird der Arzt die Dosis reduzieren oder das Medikament absetzen.

Trotz dieser Symptome, die manchmal auftreten, bietet die Therapie mit Opioiden bei starken chronischen Schmerzen viele Vorteile gegenüber einfachen Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Diclofenac. Leber, Niere und Magen werden nicht belastet und die Wirkung ist ungleich höher. Ein Leben mit normalen Alltagsaktivitäten wird so häufig erst wieder möglich. Die weitverbreitete Angst vor Abhängigkeit ist unbegründet, wenn retardierte, also langwirksame Mittel gegeben werden.

Um die Schmerztherapie mit Opioiden so erfolgreich und verträglich wie möglich zu gestalten, können Betroffene auch selbst einiges tun:

    • Nehmen Sie Opioide strikt nach der Anweisung des Arztes.
    • Stellen Sie Ihre Ernährung um. Ballaststoffreiche Kost, viel Flüssigkeitszufuhr und ausreichend Bewegung helfen gegen Verstopfung.
    • Wenn Sie ein Schmerzpflaster bekommen, kleben Sie dieses auf eine unbehaarte Körperstelle. Am besten reinigen Sie die Stelle vorher mit lauwarmen Wasser, keinesfalls aber mit rückfettenden Waschlotionen oder Desinfektionssprays. Das Pflaster klebt dann nicht richtig. Tupfen Sie die Stelle vorsichtig trocken und drücken Sie das Pflaster 30 Sekunden fest an.
    • Überfordern Sie sich zu Beginn der Therapie nicht. Achten Sie auf einen entspannten Tagesrhythmus und setzen Sie sich in den ersten zwei Wochen keinen größeren Belastungen aus.
    • Wenn Sie unter Nebenwirkungen wie Schwindel oder Übelkeit leiden, sollten Sie keinesfalls Auto fahren. Nach der Einstellungsphase ist dies wieder möglich, wenn Sie es sich zutrauen und sich fit fühlen.
    • Beobachten Sie eventuelle Nebenwirkungen, aber konzentrieren Sie sich nicht zu stark darauf. Begegnen Sie Schwindelgefühlen mit Gelassenheit: Sie sind kein Krankheitssymptom.
    • Fragen Sie Ihren Arzt, wenn Sie sich unsicher sind.



Kopfbälle schädigen die Halswirbelsäule

(sra) Abnutzungserscheinungen an der Wirbelsäule häufen sich mit zunehmenden Alter. Das ist normal und betrifft jeden Menschen. Eine aktuelle türkische Studie konnte jetzt aber zei-gen, dass die Halswirbelsäule (HWS) von Fußballern 10 bis 20 Jahre früher degeneriert als in der übrigen Bevölkerung. Die Ursache liegt nach Ansicht der Wissenschaftler in wiederholten, mehr oder minder starken Verletzungen der Halswirbelsäule durch das Kopfballspiel.

Wer trotzdem des Deutschen liebsten Sport nicht aufgeben will, sollte darauf achten, dass die Halsmuskulatur besonders trainiert wird und die Technik stimmt, rät das Forum Schmerz im Deutschen Grünen Kreuz e. V. in Marburg. Dadurch lassen sich die Wucht des Aufpralls und mögliche Schäden an der HWS verringern.

Quelle:
Kartal, A. et al.: Soccer causes degenrative changes in the cervical spine. European Spine Journal 13 (1), 76 – 82, 2004.


Richtige Bewegung mindert Fußprobleme

(sra) Unsere Füße müssen die gesamte Körperlast ein Leben lang tragen. Doch für diese Leistung werden sie selten belohnt. Bei der Körperpflege stehen die Füße jedenfalls in der Regel an letzter Stelle, wenn sie nicht sogar völlig übergangen werden. Weil wir mit der Mode gehen, zwängen wir sie außerdem häufig in viel zu kurze, zu spitze oder zu weite Schuhe. Die Folge: Die Hälfte der Europäer leidet an Fußproblemen - mit steigender Tendenz. Knickfuß, Spreizfuß oder Ballengroßzehenbildung (Hallux valgus) sind fast schon Volkskrankheiten. Bei fünf Prozent der Bevölkerung werden aufgrund der schmerzhaften Deformitäten chirurgische Eingriffe notwendig. Doch viele Operationen ließen sich vermeiden, wenn Fehlbelastungen der Füße rechtzeitig erkannt würden.



Zur Vorbeugung ist es wichtig, falsche Bewegungsmuster „umzuprogrammieren“. Die Technik der Spiraldynamik ist hierfür ein geeignetes Trainingsprogramm. Das Konzept entwickelte Dr. med. Christian Larsen in den achtziger Jahren gemeinsam mit einer Physiotherapeutin. Betroffene können damit die Wahrnehmungsfähigkeit und Beweglichkeit ihrer Füße steigern. Durch einfache Übungen wird die Fußmuskulatur gekräftigt und die Koordination verbessert. Damit die neu erlernten Bewegungsmuster im Alltag richtig umgesetzt werden, ist eine ständige Selbstkontrolle notwendig.

Richtige Bewegung mindert Fußprobleme In seinem aktuellen Ratgeber „Gut zu Fuß ein Leben lang“ erklärt Larsen, wie Fehlbelastungen der Füße erkannt und behoben werden können. Außerdem sind umfangreiche Übungsprogramme enthalten. Mit seinen zahlreichen Tipps zum richtigen Umgang mit den Füßen im Alltag und kompetenten medizinischen Informationen über Schuhe, Einlagen und Fußchirurgie ist das Buch ein hilfreicher Ratgeber für Betroffene.

Christian Larsen: Gut zu Fuß ein Leben lang, TRIAS Stuttgart 2004, ISBN 3-8304-3145-7, Preis: 17,95 Euro.


Hilfe zur Selbsthilfe für Migräne-Patienten
Migräne-Patienten-Seminare (MIPAS) sind alltagsorientiert

(sra) Menschen, die unter Migräne leiden, müssen ihr Leben auf die Erkrankung einstellen: Es gilt Auslöser zu vermeiden, körperlich aktiv zu sein, Anfälle richtig einzuschätzen und zu behandeln und Schmerzen zu bewältigen. Um diese Ziele zu erreichen, gibt es viele Möglichkeiten und Strategien. Das Problem besteht jedoch häufig darin, sie im Alltag umzusetzen. Um diesen Schritt zu erleichtern, bietet der MIPAS-Zirkel e. V. Seminare für Migräne-Patienten an.

Der MIPAS-Zirkel ist eine Vereinigung von Ärzten und Psychotherapeuten, die Kopf-schmerzseminare für Patienten durchführen. Das Trainingsprogramm, an dem sechs bis zehn Personen teilnehmen können, besteht aus drei Einheiten mit jeweils acht bis zehn Sitzungen. Jede Sitzung dauert etwa 90 Minuten. Die Schwerpunkte der einzelnen Einheiten sind Diagnostik, Information und Verhaltensmedizin. Der Betroffene lernt zunächst, seine Kopfschmerzen richtig einzuordnen. Hier geht es darum, rechtzeitig zu erkennen, ob sich Migräne oder Spannungskopfschmerzen ankündigen. Der Erfahrungsaustausch in der Gruppe kann dabei hilfreich sein. In der zweiten Einheit erfährt der Betroffene alles über mögliche Auslöser und Ursachen. Auch die Wahl des richtigen Medikamentes und dessen Anwendung wird hier besprochen. In der dritten Einheit wird das Verhalten von Kopfschmerzpatienten geschult. Wie Auslöser im Alltag vermieden werden können und welche Entspannungsmethoden helfen, bilden den Schwerpunkt.

Ein MIPAS Seminar kostet je nach Teilnehmerzahl 25 bis 30 Euro pro Sitzung. In den meisten Fällen übernehmen die Krankenkassen die Kosten. Mehr Informationen gibt es auf den Internetseiten www.drjansen.de und www.mipas-zirkel.de. Dort finden Betroffene auch eine Suchfunktion, mit der ein „MIPAS-Arzt“ in ihrer Umgebung gefunden werden kann.


Lachen als Therapie
Klinik-Clowns zaubern die Schmerzen weg

(sra) Ob wegen Bauchweh oder einem gebrochenem Fuß, Klinikaufenthalte sind für Kinder besonders belastend. Die kleinen Patienten werden aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen. Das sind Stress-Situationen, die seelische und psychische Verunsicherungen auslösen. Klinik-Clowns versuchen, kranken Kindern den Heilungsprozess im Krankenhaus zu erleichtern. Ihre Initiative wendet sich sowohl an Kinder, die nur kurze Zeit stationär aufgenommen werden, als auch an Langzeitpatienten mit schweren Erkrankungen, für die Abwechslung besonders wichtig ist. Die Idee entstand bereits 1986 in Amerika und kam Anfang der 90er nach Europa. Mittlerweile gibt es in vielen europäischen Ländern regelmäßig Clownsvisiten in Krankenhäusern. Dabei ist ein besonderes Einfühlungsvermögen notwendig. Die Clowns erzählen wunderliche Dinge, fühlen sich in die Phantasiewelt der Kinder hinein, verbreiten Lachen und wenn gar nichts mehr hilft, werden die Schmerzen einfach weggezaubert.

Wer mehr über Klinik-Clowns erfahren möchte, kann dies im Internet unter www.klinikclowns.de oder bei den KlinikClowns e.V., Zeppelinstraße 11a, 81541 München, Telefon und Fax: 089 / 651 48 50.


Service-Informationen

Info-Broschüren

Folgende Broschüren können von Interessierten gegen Einsendung eines mit 1,44 Euro frankierten und adressierten Rückumschlag (DIN A5) angefordert werden bei:
Deutsches Grünes Kreuz e. V.
Stichwort: Titel der Broschüre
Postfach 1207
35002 Marburg

    • „Starke Schmerzen bewältigen“
    • „Aktiv gegen Rückenschmerzen
    • „Schmerztherapie bei Osteoporose“
    • „Nervenschmerzen – Ursache und Behandlung“
    • „Kopfschmerzen – Anleitung zur Selbsthilfe“
    • „Kopfschmerztagebuch für Erwachsene“ (Schutzgebühr: 0,55 Euro in Briefmarken)
    • „Kopfschmerztagebuch für Kinder“ (Schutzgebühr: 0,55 € in Briefmarken)
    • „Migräne – Krankheit oder Ausrede?“


Telefon-Hotline

Das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) bietet jeden ersten Mittwoch im Monat von 16 bis 18 Uhr eine Telefonberatung mit erfahrenen Schmerztherapeuten an unter der kostenlosen Rufnummer 0 800 / 01 12 115.


Infos im Internet
Umfangreiche Informationen rund um das Thema Schmerz, Adressen von Schmerztherapeuten und viele Downloads, bieten die Internet-Seiten des Forum Schmerz
unter www.forum-schmerz.de

Grafiken und Bildmaterial
Alle abgebildeten Fotos sowie die Buch- und Broschüren-Cover können im Zusammenhang mit den Artikeln von Redaktionen in schwarz-weiß oder farbig kostenlos per E-Mail angefordert werden unter: margot.boucsein(à)kilian.de

Interviewpartner
Für ein persönliches Gespräch vermitteln wir Redakteuren gerne die kompetenten Schmerzexperten unseres wissenschaftlichen Beirates. Zur Kontaktaufnahme wenden Sie sich bitte an Dr. Dietmar Krause.

Ansprechpartner
Bei Fragen, Anregungen oder Wünschen können Sie sich jederzeit gerne wenden an:
Dr. Dietmar Krause
Telefon 0 64 21 / 293 – 124, Telefax 0 64 21 / 293 – 724,
E-Mail: dietmar.krause(à)kilian.de


V.i.S.d.P.

Herausgeber:
Forum Schmerz im DEUTSCHEN GRÜNEN KREUZ e.V.

Redaktion:
Dr. Dietmar Krause (verantw.)
Inge Kokot

Wissenschaftlicher Beirat:
Dr. Martin Gessler (München)
Dr. Jan-Peter Jansen (Berlin)
Dr. Rüdiger Schellenberg (Hüttenberg)
Dr. Wolfgang Sohn (Schwalmtal)

Abdruck honorarfrei
Beleg erbeten an:
Deutsches Grünes Kreuz
im Kilian
Redaktion sra
Schuhmarkt 4
35037 Marburg
Telefon: 0 64 21 / 2 93-0
Telefax: 0 64 21 / 2 29 10