Schmerz-Report aktuell November 2007
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12.12.2017 : 11:32

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Schmerz-Report-aktuell sra, Jg. 6, 4-2007

Orales transmukosales Fentanylcitrat:
Besseres Leben für Patienten mit Durchbruchschmerzen

(sra) Durchbruchschmerzen sind ein Phänomen, das bei Krebserkrankungen und anderen Grunderkrankungen, die mit chronischen Schmerzen verbunden sind, auftritt. Es handelt sich um Schmerzattacken, die eine sonst ausreichende Schmerzmedikation „durchbrechen“. Ein Grund dafür, dass diese Schmerzen oft nicht ausreichend behandelt werden, ist das Fehlen geeigneter Messinstrumente in Form von standardisierten Fragebögen. Diese können helfen, Durchbruchschmerzen zu erfassen, ihren Einfluss auf die Lebensqualität zu bestimmen und die Wirksamkeit geeigneter Arzneimittel zu überwachen. Eine US-amerikanische Studie hat sich nun mit diesem Problem befasst.

In der aktuellen Untersuchung wurde der Einfluss von Durchbruchschmerzen auf die Lebensqualität der Patienten mittels eines Fragebogens ermittelt und die Wirksamkeit des oral-transmukosalen Fentanyl-Sticks, der für die Behandlung von Durchbruchschmerzen eingesetzt wird, bewertet. Die 43 in die Studie eingeschlossenen Patienten bemängelten hauptsächlich eine verminderte private und berufliche Aktivität aufgrund der Durchbruchschmerzen. Auch den Verlust der Lebensfreude durch die zusätzlichen Schmerzen beklagten neun von zehn Patienten.

Durchbruchschmerzen treten oft ohne Vorankündigung und erkennbaren Grund auf. Depressionen und Ängste sowie starke Einschränkungen im Alltagsleben sind eine Folge. Für den Mediziner ist es schwer zu erkennen, ob die eingeschränkte Lebensqualität, geringe Aktivität, Arbeitsunfähigkeit, unterbrochener Nachtschlaf und die Schwierigkeiten im Alltag auf die Schmerzerkrankung selbst, auf die Medikation oder den Durchbruchschmerz zurückzuführen sind.

Im Gegensatz zu anderen Arzneimitteln gegen Durchbruchschmerzen, wirkt der Fentanyl-Stick bereits nach etwa 10 Minuten. Die Wirkung hält etwa zwei bis drei Stunden an, lange genug, um eine Durchbruchschmerzattacke zu behandeln. Bei dem Stick handelt es sich um einen Kunststoffstab an dessen Ende eine gepresste Tablette mit dem stark schmerzlindernden Opioid Fentanyl befestigt ist. Der Stick wird an der Mundschleimhaut gerieben. Dadurch geht der Wirkstoff direkt durch die Schleimhaut in den Blutkreislauf über. Durch Behandlung der Durchbruchschmerzen mit dem Fentanyl-Stick konnten genau die Kriterien verbessert werden, die Durchbruchschmerzen für Patienten so unerträglich machen. Mit Hilfe des Sticks wurde den Patienten in der Studie besonders die Lebensfreude zurückgegeben, gefolgt von einer Stimmungsverbesserung und einer Erhöhung der allgemeinen Aktivität.

Durchbruchschmerzen sind klinisch relevant und haben enorme Auswirkungen auf die Lebensqualität. Mit dem Erfragen der Lebensbereiche, in denen die Betroffenen am meisten belastet sind, und dem Erkennen, welche Verbesserungsmöglichkeiten durch eine effektive Therapie, wie z. B. mit dem Fentanyl-Stick, möglich sind, kann die Situation der Schmerzpatienten, die unter Durchbruchschmerzen leiden, deutlich verbessert werden.
 
Quelle: Donald R. Taylor et al.: Impact of Breakthrough Pain on Quality of Life in Patients with Chronic, Noncancer Pain: Patient Perceptions and Effect of Treatment with Oral Transmucosal Fentanyl Citrate (OTFC®, ACTIQ®). Pain Med. 8 (2007), S. 281-288.


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Zyklusbedingte Migräne: Hormonersatz ist unwirksam
Kopfschmerzen werden nur verschoben, nicht aufgehoben

(sra) Etwa jede zehnte Migränepatientin leidet in den Tagen kurz vor und während der Menstruation an Migräneattacken. Die Beschwerden sind oft stärker als normale Anfälle. Meist halten sie auch länger an. Mediziner versuchen, die Migräne durch kurzzeitige Östrogengaben in den Griff zu bekommen. Die Wirksamkeit dieser Therapie ist jedoch fraglich, wie eine britische Studie nun belegte.

Vor der Menstruation sinken die Blutspiegel der beiden weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron ab. Der Tiefstand des Östrogenspiegels wird als Auslöser für Migräne betrachtet. Darum lautet die gängige Empfehlung, mit östrogenhaltigen Pflastern oder Hautgels den Spiegel aufrechtzuerhalten. An der britischen Studie nahmen 38 Frauen mit zyklusbedingter Migräne teil. Die Patientinnen mussten zunächst drei Monate lang jeden Morgen eine Urinprobe zur Bestimmung der zyklussteuernden Hormone abgeben und ein Kopfschmerztagebuch führen. Nach dieser Startphase wurden die Frauen in zwei Gruppen eingeteilt. Die Teilnehmerinnen der ersten Gruppe trugen vom 6. Tag vor der Periode bis zum 2. Tag nach Einsetzen der Blutung ein östrogenhaltiges Hautgel auf. Die zweite Gruppe erhielt ein Gel ohne Wirkstoff. Die Frauen wussten nicht, zu welcher Gruppe sie gehörten.Während der Hormonbehandlung sanken die Migränetage um ein Fünftel. Außerdem waren die Attacken weniger intensiv und Übelkeit trat seltener auf. Doch diese Erleichterung war teuer bezahlt: In den Tagen nach der Behandlung kam es zu einem Anstieg der Attacken um 40 Prozent. Die Therapie ist daher nicht effektiv, bestätigt auch die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).Frauen mit menstruationsbedingter Migräne können sich viel eher auf eine Akutbehandlung mit Triptanen verlassen. Moderne Triptane können zu jedem Zeitpunkt einer Attacke einge-nommen werden. Sie wirken den Kopfschmerzen entgegen und bekämpfen Übelkeit und Erbrechen. Inzwischen sind mehrere Wirkstoffe aus der Gruppe der Triptane verfügbar, die sich in der Geschwindigkeit bis zum Wirkeintritt und der Wirkdauer unterscheiden. Die Behandlung muss daher für jede Patientin maßgeschneidert werden.

Quellen: E. A. MacGregor et al.: Incidence of migraine relative to menstrual cycle phases of rising and falling estrogen. Neurology 67 (2006), S. 2154-2158.

E. A. MacGregor et al.: Prevention of menstrual attacks of migraine. A double-blind placebo-controlled crossover study. Neurology 67 (2006), S. 2159-2163.


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Leistenbruch – schmerzhaft, aber behandelbar
Ziehende Schmerzen im Unterbauch können auf einen Leistenbruch hindeuten.

sra) Die Leistengegend, also das untere Drittel der Bauchregion, ist ein kleines anatomisches Wunderwerk: Kräftige Muskeln und Sehnen schützen die darunterliegenden empfindlichen Organe selbst bei hohen körperlichen Anstrengungen wie Heben oder Husten. Gleichzeitig treten bei Männern die Samenstränge durch den Leistenkanal zum Hoden durch, bei Frauen verläuft das Mutterband durch den Leistenkanal zur Gebärmutter. Die Leistengegend ist also sowohl stabil als auch durchlässig. Dieses notwendige Zusammenspiel macht den Bereich empfindlich für Fehlbelastungen.

Treten Schmerzen in der Leistengegend auf, ist das für viele Menschen ein Grund zur Beunruhigung. Vor allem bei Männern ist häufig ein Leistenbruch die Ursache. Er entsteht, wenn die Leiste den Belastungen nicht mehr standhalten kann. Ursache sind meistens ein schwaches Bindegewebe kombiniert mit Unregelmäßigkeiten der Anatomie und des Aufbaus der Leiste. Bei einem Leistenbruch wölben sich Fett- und Darmanteile durch die gebrochene Leiste nach außen. Viele Menschen bemerken ihn deshalb auch durch eine geringfügige Vorwölbung in der Leistenregion im Stehen. Häufig kommen leichte ziehende Schmerzen hinzu, die sich bei Druck auf die betroffene Region deutlich verstärken. Besteht der Verdacht eines Leistenbruches, sollte auf jeden Fall der Arzt aufgesucht werden. Er stellt seine Diagnose durch Abtasten oder Ultraschall der betroffenen Region. Wird der Gang zum Arzt hinausgeschoben, besteht die Gefahr, das Teile des ausgetretenen Darms verletzt werden und sich entzünden. In diesem Fall treten starke Schmerzen auf und der Patient muss umgehend operiert werden. Heute gibt es verschiedene Operationsverfahren, mit denen ein Leistenbruch behandelt werden kann. Viele werden ambulant durchgeführt, und der Patient kann die betroffene Region bereits nach kurzer Zeit wieder belasten. Es ist allerdings wichtig, sich vor einer Entscheidung ausführlich zu informieren und beraten zu lassen, denn: Nicht jedes Verfahren ist für jeden geeignet, und die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen nicht alle Operationsmethoden.Da die häufigste Ursache für einen Leistenbruch eine ererbte Bindegewebsschwäche ist, sind vorbeugende Maßnahmen nur begrenzt möglich und wirksam. Sinnvoll ist es auf jeden Fall, Übergewicht zu vermeiden und die Bauchmuskulatur zu stärken.


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Operation geglückt – Patient unzufrieden
Bei Rückenschmerzen muss die Psyche mit untersucht werden

(sra) In Deutschland werden jährlich rund 230.000 Rückenoperationen durchgeführt. Beinahe jeder sechste Eingriff bringt aber nicht den gewünschten Erfolg. Im Gegenteil: Vielen Patienten geht es danach schlechter. Ursache sollen zu viele unnötige Operationen und eine zu geringe Berücksichtigung der psychischen Verfassung der Patienten sein.

„Viele Rückenoperationen, die jährlich in Deutschland durchgeführt werden, sind gar nicht notwendig“, bestätigt Professor Dr. Michael Pfingsten von der Schmerzambulanz der Universität Göttingen. Mit konservativen Behandlungsformen wie der Krankengymnastik könnten in vielen Fällen gleich gute Ergebnisse erzielt werden. Misslingt der Eingriff am Rücken, bleibt die Lage für den Patienten nicht nur unverändert, sondern verschlimmert sich noch. „Durch die Operation kann eine chronische Schmerzerkrankung ausgelöst werden, unter der der Patient viele Jahre zu leiden hat“, sagt Pfingsten.
Mitentscheidend für den Erfolg oder Misserfolg einer Rückenoperation ist auch die psychische Verfassung des Patienten. „Überzeugungen, Ängste und Motivationen beeinflussen maßgeblich die Heilung“, betont Pfingsten weiter. Ein Patient, der eine lange Schmerzkarriere mit zunehmend schwerem Verlauf hinter sich hat und der gelernt hat, dass Belastung und Bewegung Schmerzen auslöst, und sie deshalb meidet, hat sehr viel schlechtere Heilaussichten, als ein Patient mit kurzer oder leichter Schmerzerfahrung. „Vor einer Operation ist deshalb die Erhebung der psychischen Faktoren wichtig“, meint Pfingsten.

Für die Erfassung dieser Daten taugt ein einfacher Fragebogen, den die Patienten einfach und kostengünstig in der Praxis ausfüllen können. Das Ergebnis der Befragung hilft bei der Entscheidung für oder gegen eine Operation.

Erfolg versprechend für den Ausgang einer Operation ist auch eine verhaltenstherapeutische Begleitung der Patienten. Vor der Operation sprechen Therapeuten mit den Patienten etwa eine Stunde lang über die Operation selbst, über mögliche Schmerzen und Ziele der Patienten. „In der Phantasie spielt der Patient dann die Szenarien durch, die er nach der Operation möglicherweise erlebt“, erläutert Dr. Regine Klinger von der psychotherapeutischen Schmerzambulanz in Hamburg das Konzept. Patienten mit chronischem Rückenschmerz, die an der Schulung teilgenommen haben, zeigten nach dem Eingriff eine bessere körperliche Leistung als Patienten ohne Gespräch.


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Service-Informationen „Forum Schmerz“

Broschüren
Das Forum Schmerz im Deutschen Grünen Kreuz e. V. (DGK) hat umfangreiche Broschüren zu folgenden Themen herausgegeben:

·    Starke Schmerzen bewältigen
·    Aktiv gegen Rückenschmerzen
·    Schmerztherapie bei Osteoporose
·    Nervenschmerzen – Ursache und Behandlung
·    Kopfschmerzen – Anleitung zur Selbsthilfe
·    Migräne – Vorbeugen und Behandeln
·    Kopfschmerztagebuch für Erwachsene (Schutzgebühr 0,55 €)
·    Kopfschmerztagebuch für Kinder (Schutzgebühr 0,55 €)

Die kostenlosen Informationsbroschüren können gegen Einsendung eines mit 1,45 € frankierten DIN-A5-Rückumschlages beim DGK, Stichwort: Titel der Broschüre, Postfach 1207, 35002 Marburg angefordert werden.


Beratungstelefon
Das Deutsche Grüne Kreuz e. V. (DGK) bietet jeden ersten Mittwoch im Monat von 16 bis 18 Uhr eine Telefonberatung mit erfahrenen Schmerztherapeuten unter der kostenlosen Rufnummer 0800 / 0112 115 an.


Internet
Umfangreiche Informationen rund um das Thema Schmerz, mit vielen Querverweisen zu anderen Krankheitsbildern, bieten die Internet-Seiten des Forum Schmerz im Deutschen Grünen Kreuz e. V. unter www.forum-schmerz.de


Grafiken und Bildmaterial
Alle abgebildeten Fotos sowie die Buch- und Broschüren-Cover können im Zusammenhang mit den Artikeln von Redaktionen in schwarz-weiß oder farbig kostenlos per E-Mail angefordert werden unter: Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-Mailmargot.boucsein(à)kilian.de


Interviewpartner
Für ein persönliches Gespräch vermitteln wir Redakteuren gerne die kompetenten Schmerzexperten unseres wissenschaftlichen Beirates. Zur Kontaktaufnahme wenden Sie sich bitte an Dr. Dietmar Krause.


Ansprechpartner

Bei Fragen, Anregungen oder Wünschen können Sie sich jederzeit gerne wenden an:
Dr. Dietmar Krause, Telefon 0 64 21 / 293 – 124, Telefax 0 64 21 / 293 – 724,
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-Maildietmar.krause(à)kilian.de


Hilfreiche Adressen:
Adressen von regionalen Selbsthilfegruppen und Schmerzspezialisten erhalten Sie bei:

Deutsches Grünes Kreuz e. V.
- Forum Schmerz -
Schuhmarkt 4
35037 Marburg
Telefon 06421/293-125
Telefax 06421/293-170


Buchtipp
Dr. Dietmar Krause, Helga Freyer-Krause
Was für den Rücken gut ist
VERLAG im KILIAN, 2006
ISBN 978-3-932091-92-6, 5,00 €


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V.i.S.d.P.

Herausgeber:
Forum Schmerz im DEUTSCHEN GRÜNEN KREUZ e.V.

Redaktion:
Dr. Dietmar Krause (verantw.)
Inge Kokot
Dr. Corinna Kolac

Wissenschaftlicher Beirat:
Dr. Martin Gessler (München)
Dr. Jan-Peter Jansen (Berlin)
Dr. Rüdiger Schellenberg (Hüttenberg)
Dr. Wolfgang Sohn (Schwalmtal)

Abdruck honorarfrei
Beleg erbeten an:
Deutsches Grünes Kreuz
im Kilian
Redaktion sra
Schuhmarkt 4
35037 Marburg
Telefon: 0 64 21 / 2 93-0
Telefax: 0 64 21 / 2 29 10

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