Schmerz-Report-aktuell September 2008
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24.3.2017 : 5:07

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Schmerz Report aktuell sra, Jg. 7, 3-2008

Stress verursacht atypischen Gesichtsschmerz
Beschwerden werden oft falsch behandelt

(sra) Schmerzen im Gesichtsbereich können viele Ursachen haben. Lassen sich Trigeminusneuralgie, überlastete Kaumuskeln, Kiefergelenksyndrome und Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen ausschließen, handelt es sich meist um einen atypischen Gesichtsschmerz. „Die Ursache für unerklärliche Gesichtsschmerzen ist meist Stress“, weiß Dr. Martin Gessler, Neurologe und Beirat im Forum Schmerz des Deutschen Grünen Kreuzes. Die Behandlung ist schwierig und wird oft falsch begonnen.

Meist betrifft es Frauen zwischen 20 und 50 Jahren: Die Betroffenen beschreiben die Beschwerden als brennend, stechend oder pochend. Der über Monate anhaltende Dauerschmerz im Gesicht befindet sich zwischen Augen und Unterkiefer. Der Schmerz tritt den ganzen Tag lang mehr oder weniger stark auf und zieht bisweilen sogar in den Nacken. „Manchmal sind die Beschwerden nur einseitig. Sie können aber auch beidseitig auftreten oder von der linken zur rechten Gesichtshälfte wechseln“, beschreibt Gessler.

Auslöser der Beschwerden können vorausgegangene Operationen im Bereich des Mundes oder des Hals-Nasen-Ohren-Raumes sein. Auch Verletzungen und Infekte werden als Ursache vermutet. Einer aktuellen Studie aus Finnland zufolge spielt Stress eine große Rolle für die Entstehung des Gesichtsschmerzes. Individuelle „Mit dem Stress kann ich umgehen“ - Strategien schienen keinen Einfluss auf die Schmerzauslösung im Gesicht zu haben.

„Erfolgreicher ist es, keinen Stress zu haben bzw. ihn definitiv nicht als solches zu empfinden“, erklärt der Münchner Schmerzexperte. Das ist nicht einfach, denn oft bedeutet es, das Leben beruflich oder privat zu verändern. Eine Psychotherapie kann entscheidende Hilfestellungen geben.

Zusätzlich ist eine medikamentöse Behandlung wichtig. „Am wirksamsten beim atypischen Gesichtsschmerz sind so genannte trizyklische Antidepressiva“, rät Gessler. Sie haben nicht nur einen antidepressiven Effekt, sondern wirken auch schmerzlindernd. Freiverkäufliche Schmerzmittel bleiben oft wirkungslos.

Quelle:
Sipilä K. et al.: Association off stress level with facial pain: the role of coping. Cranio. 26: 216 – 221, 2008.


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Schmerzmittel: Im Alter gelten andere Gesetze
Niedrig dosierte Opioide sind verträglich und wirksam

(sra) Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, an Schmerzen zu leiden. Chronische Erkrankungen, ein erhöhtes Risiko für Stürze oder ein verändertes Schmerzempfinden können die Ursachen für diese Zunahme sein. Schmerzen treten mit höherem Lebensalter aber nicht nur öfter auf, sondern sie benötigen oft eine andere Behandlung als in jungen Jahren auftretende Beschwerden.

Grund dafür ist der Stoffwechsel. „Während die Schmerzverarbeitung ein robustes System ist und kaum der Alterung unterliegt, nimmt die Leistung bei der Verarbeitung und Ausscheidung von Nähr- und Arzneistoffen mit zunehmendem Alter ab“, erklärt Dr. Mazen Ottallah-Kolac, Apotheker aus Wetzlar. Wichtige Funktionen der für den Abbau und die Ausscheidung von Medikamenten zuständigen Organe Leber und Niere sind im Alter eingeschränkt. „Bei Schmerzmitteln reicht oft eine geringere Wirkstoffmenge aus, um die Beschwerden genauso gut und lange zu lindern wie bei jungen Erwachsenen“, so Ottallah-Kolac.

Ein weiterer Grund für einen veränderten Schmerzmittelbedarf sind die zusätzlich auftretenden chronischen Erkrankungen älterer Menschen, wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Die Erkrankungen selbst oder die zur Behandlung dieser Krankheiten erforderlichen Medikamente haben einen Einfluss auf die Wirksamkeit und Nebenwirkungen von Schmerzmitteln“, weiß der erfahrene Apotheker. Oft muss erst ein geeignetes Präparat gefunden werden, das sich mit den übrigen Arzneimitteln verträgt.

„Stärker wirksame Opioide sind, in einer geringen Dosis verabreicht, viel wirksamer und verträglicher als herkömmliche, rezeptfrei verkäufliche Schmerzmittel – besonders wenn sie über einen längeren Zeitraum verabreicht werden sollen“, sagt Ottallah-Kolac. Opioide sind körperverwandte Substanzen und verursachen bei sachgemäßer Anwendung weniger Nebenwirkungen. „Die vielen verschiedenen Darreichungsformen, ob Tropfen, Tabletten oder Pflaster, ermöglichen eine sehr individuelle Behandlung“, betont der Wetzlarer Apotheker.

Doch auch beim Einsatz der stark wirksamen Schmerzmittel bedarf es eines guten Fingerspitzengefühls. Arzt und Patient müssen hier intensiv zusammenarbeiten. „Die Patienten sollten auf alle Veränderungen durch die Therapie achten und sie mit dem Arzt besprechen“, rät Ottallah-Kolac. Nur so kann die optimale Behandlung gefunden und regelmäßig angepasst werden.


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© Frank-Peter Funke - Fotolia.com

Arterienverengung kann Beinschmerzen verursachen
Orthopäden benötigen Spürsinn

(sra) Die meisten Menschen suchen bei Schmerzen in den Beinen einen Orthopäden auf. Schließlich ist er Spezialist für den Bewegungsapparat. Doch nicht immer sind Knochen, Muskeln und Sehnen die Ursache für die Beschwerden. Oft sind die Arterien Schuld am Schmerz, wie eine amerikanische Studie ergab.

Arterien versorgen das Gewebe mit frischem Sauerstoff und Nährstoffen. Ist diese Versorgung schlecht, weil die Arterien beispielsweise durch periphere arterielle Verschlusskrankheit (Schaufensterkrankheit) verengt sind, ist das Gewebe unterversorgt. Mit zunehmendem Alter häufen sich die Probleme mit den Arterien. Die Beschwerden können sich ähnlich anfühlen, wie die durch den Bewegungsapparat verursachten Schmerzen, wie nun amerikanische Wissenschaftler feststellten.

An der Untersuchung in einer orthopädischen Klink nahmen 50 Erwachsene im Alter ab 50 Jahren teil. Alle Personen klagten über Schmerzen in den Beinen, die nicht auf eine Verletzung zurückzuführen waren. Die Befragung der Patienten ergab keinen Hinweis auf eine arterielle Ursache der Schmerzen. Auch typische Symptome wie Hinken und abruptes Stehen bleiben fehlten. Dennoch wurde eine spezielle Diagnostik durchgeführt.

Das überraschende Ergebnis: Die Ursache der Beschwerden ließ sich bei jedem fünften Patienten auf Arterienprobleme zurückführen. Ärzte und Patienten sollten deshalb bei unspezifischen Schmerzen im Bein immer auch an eine Erkrankung der Arterien denken.

Quelle:
Bernstein J. et al.: The prevalence of occult peripheral arterial disease among patients referred for orthopedic evaluation of leg pain. Vasc. Med. 13: 235-238, 2008.


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Narkosemittel können das Immunsystem beeinflussen

(sra) Nach Operationen gerät das Immunsystem manchmal aus den Fugen. Die Aktivität ist herabgesetzt. Der Körper wird anfälliger für bakterielle oder virale Angriffe. Und das liegt nicht nur an dem operativen Eingriff an sich, wie eine japanische Studie bestätigt. Die Narkose- und Schmerzmittel haben einen eigenen Effekt auf das Immunsystem.

Bei Krebspatienten konnte beispielsweise gezeigt werden, dass die natürlichen Killerzellen und die Lymphozyten durch die Standard-Anästhesie keine normale Funktionsfähigkeit mehr aufweisen. Gerade die optimale Funktion dieser Bestandteile des Immunsystems ist bei Krebspatienten allerdings wichtig, weil sie die Selbstheilung unterstützen.

Es gibt allerdings Narkosemittel, die einen geringeren Effekt auf das Immunsystem von Krebspatienten ausüben. Sie greifen an Stellen an, die für die Selbstheilung der Krebspatienten nicht ganz so entscheidend sind. Welche Narkose zu welchem Patienten passt, sollte der Anästhesist nicht nur anhand der persönlichen Daten des Patienten entscheiden. Auch die Art der Erkrankung und die Eigenschaften des Narkosemittels sind einzubeziehen.

Quelle:
Kurosawa, S.; Kato, M.: Anesthetics, immune cells, and immune responses. Anesth. 22 (2008), elektronische Vorabpublikation.


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Therapieprinzip Hoffnung hilft Patienten in der Rehabilitation
Pflegepersonal mit Zeit ist der Schlüssel zum Erfolg

(sra) Menschen mit chronischen Erkrankungen oder dauerhaften Behinderungen, benötigen neben einer medizinischen Versorgung vor allen Dingen psychosoziale Betreuung. Amerikanische Wissenschaftler stellten fest, dass Hoffnung ein ganz wesentlicher Faktor zur Genesung ist. Doch wie kann Hoffnung vermittelt werden?

Die Untersuchung fand heraus, dass Krankenschwestern eine Schlüsselrolle in der Behandlung spielen. Sie sind es, die Hoffnung aufkeimen lassen können. Sie fangen die Sorgen und Nöte der Patienten in Gesprächen auf.

Für die Anfänger unter Schwestern und Pflegern gibt es zwar Leitfäden zum Umgang mit Menschen die ein schweres persönliches Schicksal zu tragen haben. Doch bewirken diese Hilfen oft nur wenig. Die amerikanischen Wissenschaftler glauben aber, das Erfolgsrezept gefunden zu haben: Einfach nur für die Patienten da sein. Die bloße Anwesenheit, lässt Hoffnung aufkeimen. Ein einfaches, aber personalintensives und deshalb kostspieliges Mittel.

Quelle:
Kautz, D.: Inspiring hope in our rehabilitation patients, their families, and ourselves. Rehabil Nurs. 33 : 148-153, 2008.


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Lichtsauna: Rheumatoide Arthritis sieht rot
Infrarot-Strahlen können vorübergehend Schmerzen und Steifheit lindern

(sra) Seit rund 15 Jahren gibt es Lichtsaunen mit Infrarot-Strahlen, die eine angenehme Wärme erzeugen. Sie sollen das Immunsystem stärken, Herz und Kreislauf trainieren sowie den Blutdruck senken, weil die Gefäße durch die Wärme weit gestellt werden. Aber auch Menschen mit Arthritis können davon profitieren, wie eine aktuelle niederländische Studie ergab.

Innerhalb von vier Wochen „duschten“ die 17 Studienteilnehmer acht Mal in der wohligen Infrarot-Sauna. Während des Aufenthalts in der Kabine verminderten sich Schmerzen und Steifheit deutlich. Dieser positive Effekt hielt auch noch einige Zeit nach der Behandlung an, ließ sich aber statistisch nicht mehr sichern.

Einen negativen Einfluss hatte die Behandlung jedenfalls nicht. Dabei hätte es sein können, dass die Arthritis durch die Infrarot-Strahlen verstärkt wird, da Wärme entzündliche Prozesse fördern kann. Doch gab es keine Zunahme von Entzündungsparametern und auch keinen sonstigen Krankheitsschub. Die niederländischen Wissenschaftler stellen deshalb fest, dass die Behandlung sehr gut vertragen und von den Patienten als wohltuend akzeptiert wird. Der Langzeiteffekt ist allerdings fraglich.

Quelle:
Oosterveld FG. et al.: Infrared sauna in patients with rheumatoid artritis and ankylosing spondylitis: A pilot study showing good tolerance, short-term improvement of pain and stiffness, and a trend towards long-term beneficial effects. Clin. Rheumatol. (2008): E-publication ahead of print.


Service-Informationen „Forum Schmerz“

Broschüren
Das Forum Schmerz im Deutschen Grünen Kreuz e. V. (DGK) hat umfangreiche Broschüren zu folgenden Themen herausgegeben:

·    Starke Schmerzen bewältigen
·    Aktiv gegen Rückenschmerzen
·    Nervenschmerzen – Ursache und Behandlung
·    Kopfschmerzen – Anleitung zur Selbsthilfe
·    Migräne – Vorbeugen und Behandeln
·    Kopfschmerztagebuch für Erwachsene (Schutzgebühr 0,55 €)
·    Kopfschmerztagebuch für Kinder (Schutzgebühr 0,55 €)

Die kostenlosen Informationsbroschüren können gegen Einsendung eines mit 1,45 € frankierten DIN-A5-Rückumschlages beim DGK, Stichwort: Titel der Broschüre, Postfach 1207, 35002 Marburg angefordert werden.

Beratungstelefon
Das Deutsche Grüne Kreuz e. V. (DGK) bietet jeden ersten Mittwoch im Monat von 16 bis 18 Uhr eine Telefonberatung mit erfahrenen Schmerztherapeuten unter der kostenlosen Rufnummer 0800 / 0112 115 an.

Internet
Umfangreiche Informationen rund um das Thema Schmerz, mit vielen Querverweisen zu anderen Krankheitsbildern, bieten die Internet-Seiten des Forums Schmerz im Deutschen Grünen Kreuz e. V. unter www.forum-schmerz.de

Grafiken und Bildmaterial
Alle abgebildeten Fotos sowie die Buch- und Broschüren-Cover können im Zusammenhang mit den Artikeln von Redaktionen in schwarz-weiß oder farbig kostenlos per E-Mail angefordert werden unter: Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-Mailmargot.boucsein(à)kilian.de

Interviewpartner
Für ein persönliches Gespräch vermitteln wir Redakteuren gerne die kompetenten Schmerzexperten unseres wissenschaftlichen Beirates. Zur Kontaktaufnahme wenden Sie sich bitte an Dr. Dietmar Krause.

Ansprechpartner
Bei Fragen, Anregungen oder Wünschen können Sie sich jederzeit gerne wenden an:
Dr. Dietmar Krause, Telefon 0 64 21 / 293 – 124, Telefax 0 64 21 / 293 – 724,
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-Maildietmar.krause(à)kilian.de
Hilfreiche Adressen:
Adressen von regionalen Selbsthilfegruppen und Schmerzspezialisten erhalten Sie bei:

Deutsches Grünes Kreuz e. V.
- Forum Schmerz -
Schuhmarkt 4
35037 Marburg
Telefon 06421/293-125
Telefax 06421/293-170

Buchtipp
Dr. Dietmar Krause, Helga Freyer-Krause
Was für den Rücken gut ist
VERLAG im KILIAN, 2006
ISBN 978-3-932091-92-6, 5,00 €

Hör-Buchtipp
Klaus Afflerbach
Rückenfreundlich durch den Tag
Informationen – Übungen – Entspannung
VERLAG im KILIAN, Marburg, 2008
ISBN: 978-3-932091-97-1
Preis: 9,90 EUR
CD, Spieldauer: 60 Minuten




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V.i.S.d.P.

Herausgeber:
Forum Schmerz im DEUTSCHEN GRÜNEN KREUZ e.V.

Redaktion:
Dr. Dietmar Krause (verantw.)
Inge Kokot
Dr. Corinna Kolac

Wissenschaftlicher Beirat:
Dr. Martin Gessler (München)
Dr. Jan-Peter Jansen (Berlin)
Dr. Rüdiger Schellenberg (Hüttenberg)
Dr. Wolfgang Sohn (Schwalmtal)

Abdruck honorarfrei
Beleg erbeten an:
Deutsches Grünes Kreuz
im Kilian
Redaktion sra
Schuhmarkt 4
35037 Marburg
Telefon: 0 64 21 / 2 93-0
Telefax: 0 64 21 / 2 29 10