ie medikamentöse Behandlung von Schmerzen erfolgt nach den vor 20 Jahren ursprünglich für die Therapie von Tumorschmerzen aufgestellten Regeln der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
Informationen zu:
Arthrose, Therapie, Medikamentös, Schmerz, Weltgesundheitsorganisation, WHO, Medikamente, Schmerzmittel, Herz, Kreislauf, Magen, Darm, Morphin, Müdigkeit, Gelenk, WHO-Stufenschema
Sie sind hier: Home / Patienten-Informationen / Arthrose / Therapie / Medikamentöse Therapie
29.4.2017 : 13:21

Auf dieser Seite


Handbuch der Impfpraxis

Einmalige Zusammenstellung aktueller Daten zu allen durch Impfung verhütbaren Krankheiten – von A wie Anthrax (Milzbrabd) bis Z wie Zoster (Gürtelrose), ca. 700 Seiten. Vorträge einfach und schnell gestalten mit beiliegender CD-Rom. Mehr

         Anzeige
 

Neue Beiträge im Forum



Anzeige

Medikamentöse Therapie

Bei der Behandlung der Arthrose wird der Arzt versuchen den Patienten möglichst schmerzfrei zu halten und die Beweglichkeit zu verbessern, damit er seinen täglichen Aktivitäten ohne wesentliche Behinderungen nachgehen kann. Um dies zu erreichen ist es notwendig, den Teufelskreis aus Schmerz – Bewegungseinschränkung – Fortschreiten der Arthrose – erneutem Schmerz durch eine gezielte Schmerztherapie zu unterbrechen. Wichtig ist dafür, die Behandlung möglichst frühzeitig zu beginnen, damit sich kein Schmerzgedächtnis entwickelt und die Beschwerden chronisch werden. Denn jeder akute Schmerzen kann chronisch werden. Doch so weit muss es nicht kommen. Mit den Möglichkeiten der modernen Schmerztherapie kann der Arzt durch Auswahl geeigneter nichtmedikamentöser Methoden, der richtigen Schmerzmittel und angemessener Dosierung erreichen, dass die Betroffenen dauerhaft keine oder kaum Schmerzen empfinden. Und ein Patient mit weniger Schmerzen ist entspannter, hat weniger Ängste und mehr Freude am Leben.

WHO-StufenschemaDie medikamentöse Behandlung von Schmerzen erfolgt nach den vor 20 Jahren ursprünglich für die Therapie von Tumorschmerzen aufgestellten Regeln der




Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Empfehlungen sind inzwischen allgemein anerkannt und finden auch für die Behandlung von Arthroseschmerzen Anwendung. Die WHO unterscheidet drei Stufen: die Behandlung mit Öffnet einen internen Link im aktuellen Fensterleichten, Öffnet einen internen Link im aktuellen Fenstermittelstarken und Öffnet einen internen Link im aktuellen Fensterstarken Schmerzmitteln. Das Stufenschema der WHO stellt für Arzt und Patient eine wichtige Orientierungshilfe dar, ist jedoch keine Richtlinie, von der man nicht abweichen darf. Letztlich muss sich die Schmerzbehandlung immer nach der Intensität der Schmerzen richten und das Ziel haben, den Patienten möglichst von seinen Beschwerden zu befreien. Dabei kann es unter Umständen auch sinnvoll sein, die Therapie direkt mit Medikamenten der Stufe II oder III zu beginnen.

Stufe I
Zunächst wird der Arzt ein einfaches Schmerzmittel der Stufe I verordnen. Wegen der geringeren Nebenwirkungsrate ist der Wirkstoff Paracetamol erste Wahl. Er hat jedoch nur eine schmerzlindernde Wirkung. Knorpelschützende oder krankheitsverzögernde Effekte haben reine Schmerzmittel nämlich nicht. Wegen der antientzündlichen Wirkung wird dagegen bei den nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) von einem Schutz des Knorpels ausgegangen, obwohl dies nicht durch klinische Studien belegt ist. In diese Gruppe gehören die Wirkstoffe Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac und Ibuprofen. Mit ihnen sollte keine Dauerbehandlung erfolgen, sondern nur während akuter Schmerzperioden. Bei aktivierter Arthrose sollten sie jedoch angemessen lange eingesetzt werden bis die Entzündungszeichen abklingen. Für den dauerhaften Einsatz sind NSAR wegen ihrer Nebenwirkungen auf den Magen-Darm-Trakt und die Nieren nicht geeignet. Besonders gefährdet sind Personen über 65 Jahre. Die Nebenwirkungsrate ist allerdings nicht für jeden Wirkstoff gleich hoch. Lassen Sie sich hierzu von Ihrem Apotheker beraten.

Besteht ein erhöhtes Risiko für Magenkomplikationen, kann durch vorbeugende Gabe der Wirkstoffe Omeprazol oder Misoprostol, aber auch durch die Verordnung von selektiven COX-2-Hemmern die Gefahr gesenkt werden. Die spezifischen COX-2-Hemmer wie der Wirkstoff Celecoxib weisen bei vergleichbarer Schmerzlinderung weniger Nebenwirkungen am Magen-Darm-Trakt auf. COX-2-Hemmer wiederum sind nicht geeignet für Personen mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die für Sie verträglichste Lösung.

Stufe II
Reicht die schmerzlindernde Wirkung von Präparaten der Stufe I nicht aus, werden sie nicht vertragen oder liegen schwerste akute Schmerzen vor, kann zusätzlich oder alternativ zur Einnahme von NSAR die Gabe schwach oder stark wirksamer Opioide erforderlich sein. Die Kombination von schwachen Opioiden der Stufe II mit Medikamenten der Stufe I verbessert die Schmerzlinderung, da die Substanzen der beiden Stufen verschiedene Wirkmechanismen haben. Schwache Opioide der Stufe II wie zum Beispiel die Wirkstoffe Tramadol oder Tilidin/Naloxon werden so lange gegeben, wie die von ihnen erzielte Schmerzreduktion ausreicht, bis die zulässige Höchstdosis erreicht ist oder die Nebenwirkungen stärker sind als der Nutzen der Therapie.

Stufe III
Danach werden sie in Stufe III durch stark wirksame opioidhaltige Schmerzmittel wie Morphin oder Fentanyl ersetzt. Übrigens: Die Sorge, dass Opioide mit der Zeit ihre Wirkung verlieren, ist unbegründet. Opioide können auch über einen langen Zeitraum eingenommen werden, ohne dass sie wirkungslos werden oder, wie andere Schmerzmittel, Organschäden verursachen. Höhere Dosierungen werden in der Regel nur dann notwendig, wenn der Schmerz zunimmt.

Bei der Behandlung schwerer chronischer Schmerzen mit Opioiden kann es zu Übelkeit, Erbrechen oder Müdigkeit kommen. Diese typischen Nebenwirkungen klingen jedoch meist nach etwa zwei Wochen ab oder lassen sich in den meisten Fällen entsprechend behandeln. Hartnäckiger sind oft Verstopfungen, die aber mit Abführmitteln, zum Beispiel mit den Wirkstoffen Bisacodyl oder Lactulose, gut zu behandeln sind. Unterstützend kann eine Ernährungsumstellung mit ballaststoffreicher Kost, der Zufuhr von reichlich Flüssigkeit und, wenn möglich, viel Bewegung eine Verstopfung bessern.

Behandlung mit Kortison
Zur Behandlung einer entzündeten Arthrose, die nicht auf NSAR oder andere therapeutische Maßnahmen anspricht, kann, und auch da nur befristet, Kortison direkt in das betroffene Gelenk gespritzt werden. Mit der Injektion in das Gelenk kann das Kortison direkt auf die gereizte und entzündete Gelenkinnenhaut einwirken. Diese Maßnahme sollte wegen möglicher knorpelschädigender Nebenwirkungen so selten wie möglich durchgeführt werden. Injektionen in das Hüftgelenk sollten wegen der Gefahr von Knochennekrosen ganz vermieden werden. Der zeitliche Abstand zwischen zwei Spritzen sollte vier Wochen nicht unterschreiten und die Häufigkeit von vier Anwendungen pro Serie nicht überschreiten. Diese Therapieform sollte nur von erfahrenen Ärzten unter Beachtung strenger Hygieneregeln durchgeführt werden.

Weitere medikamentöse Therapien
Häufig wird auch Hyaluronsäure in das Gelenk gespritzt. Hyaluron ist ein Bestandteil des Knorpels und wird aus Hahnenkämmen gewonnen. Es wird in der Vorstellung gegeben, dass es die Fließfähigkeit der Gelenkflüssigkeit und damit die "Gelenkschmierung" verbessert sowie den Knorpelaufbau anregt. Die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien über den erfolg der Behandlung sind jedoch widersprüchlich. Ein Grund dafür, warum die Kosten der Therapie von immerhin etwa 50-60 Euro je Spritze nicht von den Krankenkassen übernommen wird. Hyaluronsäure sollte nicht bei aktivierten Arthrosen angewandt werden.

Auch andere Substanzen, so genannte Chondroprotektiva, die eine Zerstörung des Gelenkknorpels aufhalten und ihn wieder aufbauen sollen, haben ihre Wirksamkeit bisher noch nicht wissenschaftlich einwandfrei unter Beweis gestellt. Dazu gehören Glucosamin, Ademetionin, Oxaceprol oder Gelatine. Ebenfalls nicht sicher belegt ist die Wirkung von pflanzlichen Präparaten wie Teufelskralle und Brennnesselkraut oder auch Vitamin E. Unwirksam sind zur Behandlung degenerativer Gelenkerkrankungen homöopathische Mittel.