Forum-Schmerz - Spannungskopfschmerzen selbst behandeln
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29.4.2017 : 13:18

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Spannungskopfschmerzen selbst behandeln

Grundsätzlich wird bei der Behandlung von Kopfschmerzen zwischen der medikamentösen Akutbehandlung sowie der Vorbeugung und Therapie chronischer Schmerzen unterschieden. Viele Medikamente zur Behandlung von gelegentlich auftretenden Spannungskopfschmerzen sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Kann ausgeschlossen werden, dass der Kopfschmerz nicht durch eine ernsthafte Erkrankung verursacht wurde, spricht nichts gegen eine Selbstmedikation, wenn die Betroffenen mit dieser Eigenbehandlung gut zurecht kommen. Allerdings sollte das richtige Medikament gewählt werden. Deshalb gibt die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft regelmäßig Empfehlungen zur Selbstmedikation. Darüber hinaus ist es hilfreich, die Wirkungsweise der Arzneimittel zu kennen, um sie richtig einzusetzen. Außerdem sollten die Ratschläge zum Umgang mit rezeptfreien Medikamenten beachtet werden (siehe weiter unten).

Ziel jeder Therapie ist es, möglichst beschwerdefrei zu werden. Bei gelegentlich auftretenden, leichten bis mittelschweren Spannungskopfschmerzen spricht aus Sicht einer Expertenkommission der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) nichts gegen eine Selbstmedikation mit rezeptfreien Präparaten. Auf der Grundlage wissenschaftlicher Untersuchungen hat die DMKG evidenz-basierte Empfehlungen zur Selbstbehandlung von Spannungskopfschmerzen entwickelt. Für die Leitlinie wurden alle verfügbaren Studiendaten nach strengen Prüfkriterien bewertet, um zu möglichst objektiven Ergebnissen über die Wirksamkeit und Verträglichkeit aller vorhandener Wirkstoffe zu kommen. Die aktuellen Empfehlungen entnehmen Sie bitte der untenstehenden Tabelle.

Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: Empfehlungen zur Selbstmedikation
Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: Empfehlungen zur Selbstmedikation

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Wie wirken die einzelnen Kopfschmerzmittel?

Acetylsalicylsäure wirkt schmerzstillend, fiebersenkend und entzündungshemmend. Diese Wirkungen sind schon lange bekannt. Bereits im Altertum nutzte man Zubereitungen aus der Weidenrinde, um Schmerzen zu lindern. Das darin enthaltene Salicin wird heute in abgewandelter Form auch in ASS-haltigen Präparaten verwendet. Wie ASS wirkt, ist aber noch nicht vollständig geklärt. Gesichert ist, dass ASS die Bildung von Prostaglandinen hemmt. Prostaglandine sind Gewebshormone, die unter anderem für die Übermittlung der Information "Schmerz" an das Gehirn verantwortlich sind. Werden weniger Prostaglandine hergestellt und von den Schmerz-Signal-Empfängern, den Rezeptoren, aufgenommen, dann empfindet der Betroffene die Schmerzen schwächer. Menschen mit einem empfindlichen Magen sollten jedoch vorsichtig bei der Einnahme von ASS sein. Weil bei einer ASS-Therapie weniger Prostaglandine vorhanden sind, geht auch deren die Magenschleimhaut schützende Wirkung verloren. Bei längerer und hochdosierter Einnahme können sich Magengeschwüre bilden und es kann in seltenen Fällen zu Magenblutungen kommen.

Paracetamol hat ebenfalls eine schmerzlindernde und fiebersenkende Wirkung. Auch für diesen Wirkstoff wird eine Hemmung von Prostaglandinen angenommen. Allerdings liegt der Wirkungsort des Paracetamols vermutlich mehr im zentralen Nervensystem, wo die Schmerzimpulse verarbeitet werden. Bei bestimmungsgemäßer Einnahme ist Paracetamol gut verträglich. Eine Überdosierung kann allerdings schwerwiegende Folgen für die Leber haben.

Koffein hat neben seiner allgemein bekannten belebenden Wirkung speziell gegen Kopfschmerzen und Migräne hilfreiche Effekte. Es gelangt mit dem Blut ins Gehirn und erweitert dort verengte Blutgefäße. Dadurch werden Kopfschmerzen gelindert, die aufgrund einer mangelnden Blutversorgung entstanden sind. So erklärt sich auch die von der Hausapotheke bekannte Wirkung einer Tasse starken Kaffees zu Beginn einer Migräneattacke. Darüber hinaus hat Koffein vermutlich auch noch eine direkte Wirkung gegen Kopfschmerzen, die wahrscheinlich auf die Beeinflussung von Rezeptoren im Gehirn zurückzuführen ist. Neue Untersuchungen der Universität Freiburg zeigen außerdem, dass Koffein die Wirkung von ASS und Paracetamol verstärkt, wenn es gemeinsam mit diesen Wirkstoffen kombiniert wird.

Kombinationspräparate: Die Idee, verschiedene Wirkstoffe miteinander zu kombinieren, um eine bessere Wirkung zu erzielen, ist nicht neu. Bereits im Jahre 1893 wurde ein Kombinationspräparat gegen Kopfschmerzen entwickelt. Da ASS und Paracetamol unterschiedliche pharmakologische Wirkmechanismen besitzen, kommt es durch die Kombination dieser Wirkstoffe zu einer gegenseitigen Verstärkung der vorteilhaften Effekte.

Als Vorteile der Kombinationspräparate gegenüber Monopräparaten mit nur einer Wirksubstanz gelten heutzutage das breitere Wirkprofil, der schnellere Wirkungseintritt, die stärkere schmerzlindernde Wirkung und die bessere Verträglichkeit.

Eine immer wieder nachzulesende Behauptung ist, dass gerade Kombinationspräparate mit ASS, Paracetamol und Koffein ein besonderes Risiko für eine Nierenschädigung beinhalten sollen. Diese Befürchtung wurde durch das von der DMKG begutachtete wissenschaftliche Datenmaterial widerlegt. Auch die Meinung, dass Kombinationspräparate mit Koffein den Verbrauch von derartigen Schmerzmitteln erhöhen, konnte nicht belegt werden.

Ibuprofen: In den letzten Jahren wurde zur Behandlung von Spannungskopfschmerzen vermehrt auf Mittel gegen Rheuma zurückgegriffen, die Antirheumatika. Sie haben eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung. In diese Gruppe gehört der Wirkstoff Ibuprofen. Nebenwirkungen kommen bei dieser Substanz unterschiedlich häufig vor und hängen auch von der individuellen Verträglichkeit einzelner Präparate ab.

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Ratschläge für den Umgang mit rezeptfreien Schmerzmittelnschmerz, medikament

  1. Greifen Sie nicht gleich zur Tablette! Erst einmal sollten Sie versuchen Ihre Kopfschmerzen mit nichtmedikamentösen Methoden und Bewährten Hausmitteln zu lindern.
  2. Nehmen Sie Tabletten immer mit reichlich Wasser ein und achten Sie auf eine aufrechte Körperhaltung, damit das Medikament zügig durch die Speiseröhre gespült wird und schnell in den Magen-Darm-Trakt gelangt.
  3. "Soviel wie nötig, so wenig wie möglich". Diese Regel gilt auch bei der Einnahme von Kopfschmerzmedikamenten. Achten Sie auf eine ausreichende Dosierung. Von der empfohlenen Wirkstoffkombination oder den Einzelsubstanzen sollten in der Regel 1 – 2 Tabletten eingenommen werden.
  4. Verwenden Sie nie mehrere Schmerzmittel gleichzeitig, da dies zu unberechenbaren Wechselwirkungen führen kann.
  5. Rezeptfreie Schmerzmittel sollten nicht dauerhaft angewendet werden. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft empfiehlt: Tabletten höchstens an zehn Tagen im Monat und maximal drei Tage hintereinander einnehmen. Sind die Schmerzen dann nicht verschwunden, sollten Sie auf jeden Fall zum Arzt gehen.
  6. Leiden Sie häufig unter Kopfschmerzen, die Sie nicht einordnen können oder treten plötzlich bisher unbekannte schwere Schmerzen auf, sollten Sie unbedingt zum Arzt gehen. Die Schmerzen könnten von einer schwerwiegenden Krankheit verursacht werden.
  7. Falls Sie zur Behandlung anderer Krankheiten Medikamente nehmen, sollten Sie sicherheitshalber Ihren Arzt befragen, ob es zwischen ihren Medikamenten und den rezeptfreien Kopfschmerzmitteln zu Wechselwirkungen kommen kann.
  8. Wenn Sie Zweifel haben, ob Sie ein bestimmtes Medikament einnehmen dürfen, dann: ”Fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker!” Die helfen Ihnen gern weiter.

Quelle: Siftung Kopfschmerz

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Medikamentöse Behandlung chronischer Spannungskopfschmerzen

Leiden Patienten während eines Zeitraums von drei Monaten oder länger jeden zweiten Tag unter mindestens halbtägigen Spannungskopfschmerzen, bezeichnet man sie als chronisch. Betroffene sollten unverzüglich einen Arzt aufsuchen. Mittel der ersten Wahl sind bei chronischen Spannungskopfschmerzen trizyklische Antidepressiva, die über längere Zeit ohne gravierende Nebenwirkungen eingesetzt werden können. Sie erhöhen die Schmerzschwelle und können dadurch den Patienten von seinen Dauerschmerzen befreien. Ein Effekt dieser Behandlung zeigt sich frühestens nach vier bis sechs Wochen. Insgesamt ist mit einer Therapiedauer von drei bis sechs Monaten zu rechnen.

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Nichtmedikamentöse Behandlung

Insbesondere wenn Kopfschmerzen häufig auftreten, sollte die medikamentöse Therapie durch nichtmedikamentöse Verfahren ergänzt werden. Physikalische und physiotherapeutische Maßnahmen helfen vor allem dann, wenn die Kopfschmerzen von einer Anspannung der Nackenmuskulatur begleitet oder einer Fehlhaltung verursacht werden.

kopfschmerzen, akupressurDie physiotherapeutische Begleittherapie sollte immer auf den einzelnen Patienten und seine persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten sein. Im Folgenden sind einige gängige Verfahren aufgelistet:
Wenn die Kopfschmerzen durch eine Fehlhaltung ausgelöst werden, so können Krankengymnastik (Physiotherapie) und Manualtherapie helfen, Blockierungen zu lösen und eine schonendere Haltung zu erlernen. Eine gut ausgebildete und kräftige Nacken-Schulter-Muskulatur entlastet außerdem die Halswirbelsäule.
Leichte Streichmassagen lockern verspannte Nacken- und Schultermuskeln und versetzen den Patienten in einen Zustand wohliger Entspannung.

Zusätzlich wirken physikalische Maßnahmen wie Elektrotherapie, Wärmebehandlung mit Rotlicht, Fango, heiße Rolle oder Kältetherapie unterstützend gegen Kopfschmerzen. Sehr erfolgreich wird seit Jahren im Rahmen von Schmerztherapien auch Akupunktur eingesetzt. Wissenschaftlich bewiesen ist der Nutzen dieses Verfahrens noch nicht, doch es werden zur Zeit entsprechende Studien durchgeführt. Kopfschmerzpatienten sollten ausprobieren, ob sie auf Akupunktur ansprechen oder nicht.


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