Forum-Schmerz - Migräne - Vorbeugung mit Medikamenten
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20.10.2017 : 23:20

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Migräne - Vorbeugung mit Medikamenten

Migräne - Vorbeugung Bei häufigen, sehr starken oder lang andauernden Migräneattacken ist eine spezifische Vorbeugung sinnvoll. Damit kann die Häufigkeit, Schwere und Dauer der Attacken verringert und einem Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch vorgebeugt werden. Die leichteren Attacken sind dann mit der Akuttherapie besser zu behandeln, und es gelingt, den Gebrauch von Schmerzmitteln zu verringern.


Eine Prophylaxe der Migräne ist notwendig,

  • wenn Sie innerhalb der letzten drei Monate vor dem Arztbesuch drei oder mehr Attacken pro Monat hatten, bei denen Schmerz- oder Migränemittel nicht wirksam sind oder aufgrund der Nebenwirkungen nicht toleriert werden
  • wenn die Migräneattacken länger als 72 Stunden anhalten
  • wenn Sie selbst die Migräneattacken als unerträglich empfinden, z.B. wegen mangelnder Lebensqualität oder Arbeitsunfähigkeit
  • wenn die Migräneattacken kompliziert sind, mit langanhaltenden Auren.


Interessanterweise wurden fast alle Medikamente zur Migräneprophylaxe nicht gezielt für diese Indikation entwickelt. Die vorbeugende Wirkung wurde meist zufällig entdeckt. Bei der Auswahl können sich Arzt und Patient hier aber auch deren andere (Neben-) Wirkungen zunutze machen. Ein geeignetes Mittel zur Vorbeugung sollte Häufigkeit und Stärke der Migräne um mindestens 50 Prozent reduzieren und auf lange Sicht gut verträglich sein.

Die vorbeugende Wirkung der Medikamente setzt nicht sofort ein, sondern erst nach ein paar Wochen. Bei Erfolg sollte die Behandlung mindestens sechs Monate andauern, bevor ein Absetzversuch unternommen wird. Der Therapiefortschritt kann durch ein Kopfschmerztagebuch sehr gut kontrolliert werden. Außerdem benötigen die Patienten weiterhin eine wirksame Akuttherapie zur Behandlung auftretender Migräneattacken. Die DMKG empfiehlt zur Vorbeugung die Betablocker Metoprolol und Propranolol oder den Kalziumantagonisten Flunarizin. Ganz neu und von der DMKG bereits als weiteres Mittel der ersten Wahl eingestuft wird der Wirkstoff Topiramat.

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Betablocker

Normalerweise werden Betablocker zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt. Sie hemmen vermutlich die Wirkung von Stresshormonen wie Adrenalin im Gehirn. Stresshormone spielen eine wichtige Rolle bei der Auslösung einer Migräneattacke. Der genaue Wirkmechanismus des vorbeugenden Effektes ist nicht bekannt. Betablocker eignen sich für Patienten, die gleichzeitig an Bluthochdruck leiden oder Menschen, die Angstzustände haben. Nicht empfohlen sind sie bei Durchblutungsstörungen an Armen und Beinen, Impotenz und Schlafstörungen. Auch Asthmatiker und Diabetiker sollten nicht damit behandelt werden. Weiterhin sollten Betablocker nicht bei Patienten mit wiederholt niedrigem Blutdruck angewendet werden. Eine erfolgreiche Wirkung ist erst nach zwei bis drei Monaten zu beurteilen.


Kalziumantagonisten

Der Wirkstoff Flunarizin soll an den Zellen, insbesondere den Zellen der Gefäßmuskelwände, den Einstrom von Kalzium hemmen und damit die Gefäßweite beeinflussen. Auch eine Wirkung auf bestimmte Überträgerstoffe im Gehirn ist sehr wahrscheinlich. Flunarizin ist geeignet bei Patienten mit Untergewicht und Schlafstörungen. Zu den typischen Nebenwirkungen zählen Müdigkeit und Gewichtszunahme. Außerdem sollte das Medikament nicht bei Patienten über 60 Jahre und bei Neigung zu Depressionen oder Parkinson angewendet werden. Der Effekt von Flunarizin kann einige Zeit auf sich warten lassen. Eine Therapiedauer von mindestens acht Wochen kann zur Beurteilung des Erfolges notwendig sein.

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Antikonvulsiva

Seit kurzem ist mit dem Wirkstoff Topiramat die erste Substanz aus dieser Medikamentengruppe zur Prophylaxe der Migräne in Deutschland zugelassen worden. Die Substanz wirkt am Entstehungsort der Migräne. Sie schützt das Gehirn vor übermäßiger Erregung und bremst die Weiterleitung von Schmerzreizen. In Studien zeigte sich ein Erfolg schon innerhalb des ersten Behandlungsmonats. Die Häufigkeit von Attacken konnte in den Untersuchungen bei jedem zweiten Patienten mindestens halbiert werden. Bei jedem vierten Patienten war die Anfallshäufigkeit um 75 Prozent verbessert, einige Betroffene wurden sogar attackenfrei.

Die häufigste unerwünschte Wirkung sind Parästhesien, das bedeutet ein Kribbeln an Händen oder Füßen. Dies tritt in der Regel in der Eindosierungsphase oder bei Dosiserhöhung auf. Es handelt sich um eine meist vorübergehende Nebenwirkung, die als unangenehm empfunden werden kann. Nach bisherigen Erfahrungen kann eine langsame Eindosierung das Auftreten verringern. Die Intensität des Kribbelns kann durch eine kaliumreiche Ernährung mit Bananen und getrockneten Aprikosen reduziert werden.

Topiramat eignet sich besonders für Patienten, die Betablocker nicht einnehmen dürfen, diese schlecht vertragen oder bei denen Betablocker nicht helfen. Außerdem darf der Wirkstoff bei Asthmatikern und Diabetikern eingesetzt werden. Im Gegensatz zu anderen Prophylaktika kommt es bei Topiramat nicht zu einer therapiebedingten Gewichtszunahme.

Hat sich die Migräne gebessert, kann das Medikament schrittweise abgesetzt werden. Der weitere Verlauf der Migräne ist dann zu beobachten. Nimmt die Attackenhäufigkeit wieder zu, kann die Behandlung weiter fortgeführt werden.

Prophylaxe bedeutet aber nicht ausschließlich medikamentöse Vorbeugung. Am sinnvollsten ist es, eine medikamentöse Prophylaxe mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen und Ausdauersport zu kombinieren. Patienten mit mehr als drei Attacken pro Monat und erheblicher Einschränkung der Lebensqualität sollten außerdem über eine psychologische Schmerztherapie nachdenken.

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