Forum-Schmerz - Nervenschmerzen haben viele Ursachen
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20.8.2017 : 2:28

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Nervenschmerzen haben viele Ursachen

Neuropathische Schmerzen, also Beschwerden, die durch geschädigte Nerven verursacht werden, sind für die Betroffenen besonders belastend. Das überfallartige, sehr heftige Auftreten, dieser Schmerzen bringt die Patienten zur Verzweiflung. Manchmal halten die Beschwerden nur kurz an. Häufig handelt es sich aber um Dauerschmerzen. Für das Verständnis, aber auch die Behandlung der Schmerzen, ist es wichtig, die krankheitsspezifischen Ursachen und Verläufe zu kennen.


Wenn eine Gürtelrose Schmerzen hinterlässt

Gürtelrose SchmerzenDie Gürtelrose ist eine Nerven und Haut betreffende Infektionskrankheit. Viren der Windpocken, die sich seit der Kindheit im Körper befinden, können Jahre später Nerven angreifen und zerstören. Das Virus wird oft dann aktiv, wenn das Immunsystem durch andere Krankheiten oder großen Stress geschwächt ist. Betroffen sind meist ältere Menschen über 50 Jahre. Die Gürtelrose beginnt in der Regel mit brennenden, juckenden Schmerzen und einer erhöhten Hautsensibilität. Einige Tage später bilden sich die typischen roten Flecken und Pusteln, die auf eine Körperhälfte beschränkt sind. Die Gürtelrose tritt vor allem in den Nervensegmenten der unteren Brustwirbelsäule auf, wo sich die Hautveränderungen bandförmig ausbreiten. Das Gesicht ist seltener betroffen. Nach etwa zwei bis vier Wochen heilen die Hauterscheinungen ab, wenn sie mit einem antiviralen Medikament, meist Aciclovir, behandelt werden. Dann verschwindet auch der Nervenschmerz wieder.

Bei jedem zehnten Gürtelrose-Patienten bleibt der Schmerz jedoch bestehen. Das Auftreten dieser Post-Zoster-Neuralgie(PZN) wird durch Intensität und Ausmaß der akuten Gürtelrose und vor allem das Alter der Betroffenen begünstigt. Die Schmerzen werden als stechend, brennend und blitzartig einschießend beschrieben. In der Regel beschränken sich die Beschwerden auf das Ausbreitungsgebiet des jeweils befallenen Nerves.

Zur Behandlung der postzosterischen Neuralgie werden unter anderem Antidepressiva eingesetzt. In Kombination mit Schmerzmitteln lindern sie die Beschwerden. Diese eigentlich zur Behandlung von Depressionen eingesetzten Substanzen wie Amitriptylin verstärken die Wirkung der Schmerzmittel und verbessern die Stimmungslage. Manchmal hilft eine Blockade des Sympathikus durch ein lokales Betäubungsmittel, die Weiterleitung der Schmerzsignale zu verhindern. Der Sympathikus ist ein Nervenstrang, der für die Steuerung unwillkürlicher Lebensfunktionen zuständig ist. Bei einer lang bestehenden PZN ist dieses Vorgehen aber kaum von Nutzen. Nervenzerstörende Verfahren oder chirurgische Eingriffe sollten die Ausnahme bleiben. Führen alle Maßnahmen nicht zu einer ausreichenden Schmerzlinderung, muss eine medikamentöse Schmerztherapie mit Gabe starker, opioidhaltiger Medikamente erfolgen.

Eine besonders schwerwiegende Komplikation entsteht, wenn der Windpocken-Virus den Trigeminusnerv befällt. Dann breiten sich die Gürtelrosebläschen im Gesicht aus. Wird die Erkrankung nicht sofort konsequent behandelt, kann sich ein Dauerschmerz entwickeln. Vor allem ältere Menschen sind davon betroffen. Gegen die Schmerzen werden als Mittel der 1. Wahl Antikonvulsiva eingesetzt, zum Beispiel Carbamazepin oder Gabapentin. Antikonvulsiva sind zentral wirkende, krampflösende bzw. krampfverhindernde Substanzen. Diese Wirkstoffe verlangsamen die Aussendung von Nervenimpulsen mit dem Signal “Schmerz” und heben die Schmerzschwelle an. Eine Trigeminusneuralgie kann auch durch Druck eines ungewöhnlich verlaufenden Blutgefäßes im Gehirn, durch Entzündungen oder Verletzungen dieses Gesichtsnervs entstehen.

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Polyneuropathie – Wenn viele Nerven schmerzen

Bei einer Polyneuropathie ist nicht nur ein Nerv geschädigt. Meist sind viele Nerven außerhalb von Rückenmark und Gehirn betroffen. Die Patienten klagen dabei über brennende Schmerzen. Die Polyneuropathie ist jedoch kein eigenständiges Leiden, sondern Folge oder Anzeichen verschiedener Erkrankungen. Es sind mittlerweile über 160 mögliche Grundkrankheiten bekannt, die eine Polyneuropathie auslösen. Die häufigste Ursache ist Diabetes, eine Stoffwechselerkrankung, sowie Alkoholmissbrauch.

Diabetes – Zuviel Zucker geht auf die Nerven
Bei ständig erhöhten Blutzuckerkonzentrationen reichern sich im Nervengewebe Zucker und dessen Abbauprodukte an. Zucker ist in hohen Konzentrationen ein Nervengift. Ist ein Diabetiker über Jahre nicht gut behandelt, kann dies zu einer direkten Schädigung der Nerven führen. Um die Gefahr einer Polyneuropathie zu verringern, sollte der Blutzucker die Normgrenze möglichst selten überschreiten. Dies gilt sowohl für insulinpflichtige Typ-I-Diabetiker als auch für Patienten mit so genanntem Alterszucker (Typ II). Betroffen sind vor allem die Extremitäten des Diabetikers. Durch die Nervenschädigung bedingte Gefühlsstörungen an den Füßen führen dazu, dass kleinste Verletzungen, eingewachsene Fußnägel oder Druckstellen durch die Schuhe nicht oder nur schlecht wahrgenommen werden. Erste Zeichen einer vermehrten Druckbelastung sind Schwielen an den betroffenen Stellen. Da aber diese normalerweise sehr schmerzhafte Belastung durch die Neuropathie nicht wahrgenommen wird, kann dort ein Hautgeschwür, ein so genannter Ulkus entstehen. Das Geschwür heilt oft schlecht ab, was im schlimmsten Fall sogar zur Amputation des betroffenen Fußes führen kann. Diese Komplikation wird durch einen neuropathisch bedingten Ausfall der Schweißdrüsenfunktion und durch die häufig damit einhergehende trockene Haut begünstigt. Zur Behandlung der Schmerzen werden vor allem Antidepressiva und Antikonvulsiva, zum Teil in Kombination mit stärksten Schmerzmitteln und physikalischer Therapie, eingesetzt.

Nervenschmerzen durch Alkohol
Nervenschmerzen durch AlkoholDie zweithäufigste Ursache für eine Polyneuropathie ist ein andauernder Missbrauch von Alkohol. Auch hier schädigen die Abbauprodukte des Alkohols die Nerven. Die Schmerzen werden von den Betroffenen als brennend beschrieben. Sehr selten sind sie attackenartig. Die Behandlung richtet sich in erster Linie darauf, den Konsum von Alkohol sofort zu stoppen. Die Therapie mit Alpha-Liponsäure soll zur Bindung von Abbauprodukten führen, ist aber umstritten. Die Einnahme von Vitamin-B-Präparaten, so genannten Nervenvitaminen, wird ebenfalls kontrovers diskutiert und ist nur bei einem nachgewiesenem Mangel sinnvoll. So können große Mengen von Vitamin B6 selbst wie ein Nervengift wirken und eine Polyneuropathie eher hervorrufen als lindern. Gegen die Nervenschmerzen hilft eine spezielle Schmerztherapie nur, wenn sich die Patienten darüber klar sind, dass sie auf weiteren Alkoholgenuss verzichten müssen.

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Phantom- und Stumpfschmerzen

In vielen Fällen leiden Menschen, denen ein Körperteil amputiert werden musste, unter quälenden Dauerschmerzen. Als Ort der Empfindung geben sie den Körperteil an, der nicht mehr vorhanden ist. Solche Phantomschmerzen sind eine besondere Form von Nervenschmerzen. Die bei der Amputation oder dem Verlust eines Körperteils erfolgte Nervenverletzung hat im Gehirn eine tiefe Gedächtnisspur hinterlassen. Es bildet sich ein eigenständiges Zentrum, das ständig Nervenimpulse erzeugt, ohne dass ein echter Grund dafür vorliegt. Phantomschmerzen werden von den Betroffenen als brennend, schneidend oder “als ob etwas eingeklemmt ist” beschrieben. Sie haben überwiegend einen attackenförmigen Verlauf, wobei die Anfälle minuten- bis tagelang dauern können. Um diesen Prozess aufzuhalten, müssen die Schmerzimpulse frühzeitig durch eine geeignete Behandlung unterdrückt werden. Mittlerweile ist bekannt, dass das Risiko für Phantomschmerzen größer wird, je länger bereits vor der Amputation oder Wundversorgung Schmerzen bestanden haben. Aus diesem Grund wird heute schon in der Zeit bis zur Operation eine effektive Schmerztherapie eingeleitet.

Im Unterschied zu Phantomschmerzen treten Stumpfschmerzen eher als Dauerschmerzen auf. Sie entstehen durch kleine Nervenknötchen, die sich nach einer Amputation dort, wo die Nerven durchtrennt wurden, bilden können. Diese Neurome sind oft überempfindlich und senden schon bei leichten Reizen, wie der Berührung von Kleidung auf der Haut, starke Schmerzsignale aus. Stumpfschmerzen haben die Tendenz, mit der Zeit stärker zu werden und gehen oft mit Verkrampfungen der Muskulatur einher.

Zur Schmerzbehandlung werden besonders bei anfallsartigen, einschießenden Schmerzen Antikonvulsiva eingesetzt. Um die Schmerzschwelle zu erhöhen, haben sich unterstützend Antidepressiva bewährt. Bei Stumpfschmerzen kann die wiederholte Anwendung langwirksamer, örtlicher Betäubungsmittel, wie Bupivacain oder Ropivacain direkt an ein Neurom gespritzt, hilfreich sein. Häufig wirkt auch eine zusätzliche, oberflächliche Kältebehandlung schmerzlindernd. Die operative Entfernung eines Neuroms ist nicht unbedingt zu empfehlen. Oft kommen die Schmerzen wieder, weil sich ein neues Neurom bildet, dass sogar stärker schmerzen kann als das Vorherige. Vielversprechender ist hier eher die Kombination aus medikamentöser Schmerztherapie mit Opioiden und Krankengymnastik bzw. physikalischer Therapie.


Bandscheibenvorfall – Nerven unter Druck

Bandscheibenvorfall – Nerven unter Druck

Die elastischen Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern werden idealerweise an allen Seiten gleichmäßig belastet. Doch bei bestimmten Bewegungen, beim Vornüberneigen oder einseitigen Tragen, wird die Bandscheibe an einzelnen Punkten stärker belastet und einem erhöhten Druck ausgesetzt. Übermäßige, einseitige Druckbelastungen führen jedoch zu einer vorzeitigen Alterung des Gewebes. Außerdem sind die Bandscheiben nicht durchblutet. Die Versorgung mit Nährstoffen und Flüssigkeit erfolgt wie bei einem Schwamm. Bei Belastung werden sie zusammengedrückt und geben überflüssige Stoffe ab, bei Entlastung nehmen sie notwendige Nährstoffe auf. Fehlt dieser Wechsel von Be- und Entlastung durch zu wenig Bewegung, “trocknen” die Bandscheiben aus. Der Faserring der Bandscheibe kann porös werden und büßt seine Elastizität ein.

Bei großer einseitiger Belastung im vorderen Teil der Bandscheibe, zum Beispiel beim Vornüberbeugen mit rundem Rücken, kann der Gallertkern nach hinten in den Wirbelkanal ausweichen. Die mögliche Folge: Hexenschuss. Weicht der Bandscheibenkern zur Seite in die Zwischenwirbellöcher aus, drückt er auf die hier austretenden Nerven und verursacht oft starke Schmerzen. Man spricht zum Beispiel von einer Ischialgie, wenn der Ischiasnerv betroffen ist und die Schmerzen ins Bein ausstrahlen. Es kann dabei sogar zu Lähmungserscheinungen kommen. In diesem Fall sollte der Betroffene sofort den Arzt aufsuchen, damit umgehend eine Therapie eingeleitet werden kann, bevor der Nerv dauerhaft Schaden nimmt. Bei vorgeschädigter Bandscheibe und starker Überlastung kann der Faserring auch einreißen, der Gallertkern tritt aus und verengt den Wirbelkanal. Der Druck dieses so genannten Bandscheibenvorfalles auf das Rückenmark und die dort verlaufenden Nervenbahnen kann zu Lähmungen und heftigen Schmerzen führen. Um eine Chronifizierung zu verhindern, ist eine frühzeitige und effektive Schmerztherapie notwendig.