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Schmerzpumpe, Neurostimulation, invasive Schmerztherapie
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29.4.2017 : 13:20

 

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Invasive Schmerztherapie

Manche Patienten mit osteoporosebedingten Rückenschmerzen sprechen auf herkömmliche Schmerzmittel oder nicht-medikamentöse Heilverfahren, wie beispielsweise die Physiotherapie, nicht optimal an. Die Therapien wirken nur unzureichend oder führen zu Nebenwirkungen, die für den Patienten inakzeptabel sind. Für diese Patientengruppe kann die invasive Schmerzbehandlung eine gute Alternative sein.

Prinzipiell gibt es zwei unterschiedliche Verfahren der invasiven Schmerztherapie: die intrathekale Arzneimittelinfusion und die Neurostimulation.


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Bei der intrathekalen Arzneimittelinfusion wird ein Schmerzmittel mittels einer kleinen Pumpe, die unter die Bauchhaut implantiert wird,  über einen hauchdünnen Schlauch direkt in den Flüssigkeitsraum gespritzt, der sich entlang des Rückenmarks erstreckt. Das Rückenmark überträgt die Schmerzinformationen an das Gehirn. Das Schmerzmittel wirkt also genau dort, wo die Schmerzinformationen weitergeleitet werden.

Der Vorteil dieses Verfahrens ist die Einsparung von Schmerzmitteln. Die Wirkung kann schon mit einer viel geringeren Menge an Wirkstoff erzielt werden, weil das Medikament direkt am Wirkort abgegeben wird. Es muss also nicht erst über das Blut angeflutet werden. Außerdem verteilt sich der Wirkstoff nicht über den ganzen Körper. Nebenwirkungen werden dadurch reduziert.

Die Schmerzmitteldosis ist dabei variabel. Der Arzt kann die kleine Pumpe mit einer Fernbedienung steuern. Er legt genau fest wann wie viel Wirkstoff abgegeben wird. Manche Patienten können ihr Gerät zu Hause in einem bestimmten Rahmen auch selbst steuern. Ein persönlicher Therapiemanager, das ist auch so etwas wie eine Fernbedienung, kann bei zusätzlichen Schmerzen die Abgabe einer vorgegebenen Menge des Arzneimittels auslösen.

Das Schmerzmittel muss etwa alle ein bis drei Monate vom Arzt nachgefüllt werden. Dazu wird eine Kanüle über die Bauchdecke in die Membran der Pumpe eingeführt. Die Batterie der Pumpe hält etwa fünf bis sieben Jahre.

Internationale Studien haben gezeigt, dass vier von fünf Patienten mit der intrathekalen Arzneimittelinfusion sehr zufrieden sind. Sie können die Tagesration an Tabletten um die Schmerzmittel reduzieren und müssen vor allen Dingen nicht immer an die Einnahme denken. Denn bei Schmerzmitteln ist meist das Einhalten eines festen Zeitschemas bei der Einnahme ganz wichtig. Für viele Betroffene bedeutet das einen Gewinn an Lebensqualität.

Bevor die Pumpe zur intrathekalen Arzneimittelinfusion implantiert wird, können Schmerzpatienten das Verfahren zunächst testen. Es wird dann in der Praxis oder in der Klinik vorübergehend ein Katheter in den Intrathekalraum, also den das Rückenmark umgebenden Flüssigkeitsraum, gelegt. Eine externe Pumpe gibt ein Schmerzmittel ab. Ist die Wirkung zufrieden stellend, wird eine kleine Pumpe unter die Bauchhaut implantiert.

Die intrathekale Arzneimittelinfusion ermöglicht dieselbe Bewegungsfreiheit wie eine herkömmliche Schmerztherapie. Duschen Baden und sogar Saunabesuche sind erlaubt. Reisen, auch Kurzstreckenflüge, sind möglich.


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Das zweite Verfahren der invasiven Schmerztherapie, die Neurostimulation, kommt ganz ohne Arzneimittel aus. Hierbei werden in der Nähe des Rückenmarks Elektroden platziert, die schwache elektrische Impulse an das Rückenmark abgeben. Gesteuert werden die Elektroden durch einen Stimulator, der unter die Bauchhaut implantiert wird.

Das Prinzip dieser Form der Elektrotherapie heißt „Gegenirritation“: Dem eigentlichen Schmerzreiz wird mit Hilfe eines Schmerzschrittmachers ein elektrischer Impuls, der einen Berührungsreiz vorspiegelt, entgegengesetzt. Der Schmerz wird dadurch nicht mehr vollständig an das Gehirn weitergeleitet und somit verringert.

Ein angenehmes Kribbeln im Schmerzgebiet verhindert nun die Schmerzwahrnehmung. Damit kann der Bedarf an Schmerzmitteln bei chronischen Beschwerden verringert und die Lebensqualität gesteigert werden.

Auch die Neurostimulation kann vor der Implantation des gesamten Systems auf die Wirksamkeit getestet werden. Die Elektroden werden durch eine hohle Nadel in Lokalanästhesie in den Wirbelkanal geschoben und der Effekt wird sofort festgestellt. Über einen externen Schmerzschrittmacher kann anschließend die Schmerzlinderung bei den alltäglichen Unternehmungen getestet werden, in der Regel geschieht dies in einem Zeitraum von einer Woche. Anschließend entscheidet der Patient, ob das System eine ausreichende Schmerzlinderung erreicht.

Da das Gesamtsystem innerhalb des Körpers liegt, steht Ihren Alltagsaktivitäten nach vollständiger Implantation nichts mehr im Weg.

Eine internationale Studie zeigt, dass die Neurostimulation eine sehr hohe zusätzliche Schmerzlinderung und Steigerung der Lebensqualität bei Patienten bewirkt, die durch eine optimale konservative medikamentöse und physiotherapeutische Behandlung nicht ausreichend ansprechen.

Die Geräte zur Neurostimulation haben eine mehrjährige Lebensdauer und entlasten den Patienten daher über einen langen Zeitraum. Über eine Fernbedienung können Arzt und Patient Einfluss auf die Stärke und Häufigkeit der elektrischen Impulse nehmen. Das System ist also anpassungsfähig.

Ob eine invasive Schmerztherapie in Frage kommt, und wenn ja, welche der beiden Methoden die geeignetere Technik ist, muss der Arzt individuell entscheiden.  Patienten, die mit ihrer herkömmlichen Therapie unzufrieden sind, haben mit dieser Technologie auf jeden Fall eine wirksame Alternative.


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